Mecklenburger Blitz Verlag

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Lange Straße Fahrradstraße?

14.11.2017, Anonym, Rostock (Name dem Verlag bekannt)

Das Fahrrad ist das umweltfreundlichste zum Straßenverkehr zugelassene Fahrzeug. In Zeiten des Klimawandels würde es der „Fahrradfreundlichen Hansestadt Rostock“ gut zu Gesicht stehen, diesem Fahrzeug Vorrang einzuräumen. Dann hätten auch Radfahrer die gleichberechtigte Möglichkeit zur Kommunikation, wie sie Fußgänger und Autofahrer erhalten. Fahrradstraßen in anderen Städten führten zu einer deutlichen Zunahme des Radverkehrs, bei gleichzeitiger Erhöhung der Sicherheit. Die Erhöhung der Fahrradnutzung führt u. U. zur Verringerung des motorisierten Verkehrs auf kurzen Strecken. Zusätzlich dazu wird die Verkehrsbelastung durch die langsamere, angepasste Fahrweise der Kfz-Führer erreicht. Die veränderten Verhältnisse und Fahrweisen führen ebenfalls zu einer geringeren Zahl an Unfällen.

Fahrradstraßen steigern das Selbstbewusstsein von Radfahrern, die früher eher eingeschüchtert waren und auf ihre Rechte gegenüber Kfz-Fahrern bewusst verzichteten. Eine Selbstbewusste, sichere Fahrweise wirkt aber nachweislich ebenfalls gefahrmindernd. Die Aufenthaltsqualität für Fußgänger verbessert sich ebenfalls - nicht nur wegen der geringeren Belastung durch Lärm und Abgase, sondern weil der ruhigere Verkehr z. B. problemloses Queren der Straße an beliebigen Stellen erlaubt, selbst bei hohem Radverkehrsaufkommen.

Trotz genannter Vorteile gibt es gelegentlich bei der Einführung von Fahrradstraßen Probleme und neue Gefahren. So kommt es häufig vor, dass Autofahrer den Begriff Fahrradstraße nicht kennen bzw. seit ihrer Fahrprüfung vergessen haben oder die Regeln nicht befolgen wollen, weil sie generell Radfahrer nicht als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer ansehen. Ein anderer Nachteil ist das subjektive Empfinden mancher Radfahrer, die sich auf einem baulich getrennten Radweg sicherer fühlen - ein trügerisches Gefühl, das Tatsachen widerspricht: Auf Radwegen passieren erheblich mehr Unfälle als auf Straßen ohne Radwege. Somit sind Fahrradstraßen erst recht sicherer als traditionelle Radwege. Warum geht in Rostock etwas nicht, was in anderen Städten schon seit 22 Jahren praktiziert wird? Liegt es an der Straßenverkehrsbehörde, der Bürgerschaft oder am Oberbürgermeister? Wenn die Stadt die Menschen, die umweltfreundliche Fahrzeuge führen, als „richtigen“ fließenden Verkehr respektieren und achten, dann steht einer Fahrradstraße nichts im Wege.

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