Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Kultur-Vandalismus

26.03.2015, Brigitte Schneider, Warnemünde

Herrn Latchinian, dem Intendanten unseres Volkstheaters in Rostock, droht die Entlassung durch den OB, weil er sich in seiner offenen Kritik leidenschaftlich gegen die »Verstümmelung« des Theaters eingesetzt hat. Er soll die politisch Verantwortlichen dafür mit den Kulturvandalisten des IS verglichen haben. Nachdem ich seine Aussagen darüber kenne, sehe ich das nicht so, aber eine solche Auslegung ist möglich, wenn man es denn unbedingt will, um einen bestimmten Zweck damit zu erreichen. Wenn im Interesse des obersten Herrschers unserer Gesellschaft, des Geldes, Kultur, Kunst und Bildung auf der Strecke bleiben oder so stark dezimiert werden, wie man das in MV und in diesem Fall konkret in Rostck erlebt, dann ist das eine spezifische Form von Vandalismus. Da gebe ich dem Intendanten durchaus Recht und verstehe seine deutliche Sprache. Wir Rostocker sollten ihn unterstützen in seinem Bemühen, unser traditionsreiches Volkstheater zu erhalten. Immer wird von einem »reichen Deutschland« gesprochen, das es sich leisten kann, Milliarden Euros für das Einmischen in kriegerische Auseinandersetzungen in der ganzen Welt auszugeben, aber eine immer ärmere Kulturlandschaft hat. Die Fähigkeit, Kultur und Kunst zu genießen, macht den Menschen glücklicher und besser. Dafür hat ein Staat Verantwortung und muss entsprechend investieren. Ein »armes reiches Deutschland« ist ein zutreffenderes Attribut für unsere Bundesrepublik, wenn die Regentschaft des Kapitals dauerhaft das Primat in der Politik behält und der finanzielle Reichtum nicht gerechter und sinnvoller verteilt wird.

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