Mecklenburger Blitz Verlag

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"Komasaufen"

30.03.2012, Schüler und Lehrer der 11. Klassen des Gymnasiums Barth

»Das Leben ist wie ein Dixi-Klo....«, solche und ähnlich schockierende, in einem Gymnasium besonders befremdlich wirkende Sätze bekamen die Schüler der beiden 11.Klassen des Barther Schulzentrums am Freitag, dem 16. März, während des 1-Personenstückes »Ich komma saufen« zu hören.

Der Anlass, aus dem man sich im Kuppelraum eingefunden hatte, war allerdings eher eine Erfolgsgeschichte. Von Familie Klein, den Eltern eines Schülers,

initiiert, finanziert und in Zusammenarbeit mit dem Schulverein organisiert, hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, sich mit einem Problem auseinanderzusetzen, mit dem sich die meisten von ihnen am Wochenende doch schon häufiger konfrontiert sahen.

Regisseur Carl M. Pohla (ebenfalls Absolvent des Barther Gymnasiums) hatte das Thema »Komasaufen« und seine möglichen Folgen jugend- und zeitgemäß aufgearbeitet und damit den Nerv der 17- und 18-jährigen Zuschauer getroffen: Von ehemals vier Freunden stand hier nun der letzte Überlebende vor

Jugendlichen und sollte eine »von oben« verordnete Präventionsveranstaltung abhalten. Schnoddrig kommt er daher, lässt keine Einsichten erkennen.

Provokation pur.

Mit bravouröser Frische spielte sich der junge Darsteller Andreas Flick in die Herzen und Hirne der Anwesenden.

Viele überraschende Brüche in Spiel und Text ließen kaum gedankliche Abschweifungen zu. Die gesamten 45-Minuten herrschte gespannte Erwartung auf das Folgende. Und man musste schon aufmerksam zuhören, um keinen Gedanken oder Zwischenton zu verpassen. Es ging hier nicht um den erhobenen Zeigefinger, sondern um Verantwortung für den Nächsten, Ziele und Wertvorstellungen, Nachdenken über sein Handeln und eventuelle Folgen.

Der Spruch »Lieber cool und tot, als uncool und lebendig!« dürfte sich in so manchem Kopf festgesetzt und darin weitergearbeitet haben.

Wie die anschließende Diskussion zeigte, waren die Jugendlichen auf das Thema durch die Lehrer gut vorbereitet. Auf das Stück, seinen Verlauf und seine Wendungen konnte man jedoch kaum vorbereitet sein. Besonders interessiert zeigten sich die Schüler am Werdegang des Darstellers und ob die Geschichte seiner Erlebnisse »echt« sei. Ein großes Kompliment für den jungen Schauspieler! Die Schüler waren sich jedenfalls nicht sicher, ob sie nicht doch einen echten Junkie vor sich hätten. Drogen als solche spielen in diesem Alter bei manchem eine Rolle, zumindest kommt man damit in Kontakt, so die Jugendlichen.

Nachfolgende Gespräche bestärkten den Eindruck, dass hier wirklich Denkanstöße gegeben wurden. Nach seiner Intention befragt, sagt Andreas Flick: »Wenn wir mit unserem Stück nur einen Jugendlichen vor diesem Schicksal bewahren, wenn es nur eine Situation gibt, wo jemand anders handelt, Verantwortung übernimmt, dann haben wir schon etwas gewonnen!«

Und nein, das Stück basierte nicht auf den realen Erlebnissen des Darstellers – um die dringende Frage der Jugendlichen zu beantworten – aber »echt« im wahrsten Sinne des Wortes war es doch!

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