Mecklenburger Blitz Verlag

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Klärschlamm - eine spannende Geschichte

21.03.2018, Walter Stephan, Stralsund

Für den 20. März hatte die Seniorenakademie 55plus in den Saal der Volkssolidarität am Knieperdamm zu einem Vortrag über die Regionale Wasser- und Abwassergesellschaft mbH (REWA) und ihre Tätigkeit geladen, und 75 Mitglieder und Hörer waren gekommen, die sich besonders für die Abwasserklärung und den weiteren Weg des Klärschlamms interessierten. Der Abteilungsleiter Abwasser der REWA, Herr Zenker, stellte die Firma kurz vor, in der zur Zeit 124 Mitarbeiter, davon 9 Auszubildende, beschäftigt sind. Das Versorgungsgebiet umfasst 630 km² und knapp 85.00 Einwohner, die in vier Städten und 23 ländlichen Gemeinden mit 105 Einzelorten bzw. Ortsteilen wohnen. Übrigens, die unterirdische Entwässerung der Stadt Stralsund begann schon 1859! Heute hat das Stralsunder Kanalnetz eine Länge von 170 km und im Versorgungsgebiet sind es 907 km. Das soll als statistische Übersicht reichen.

Wir alle verbrauchen Wasser, und das verbrauchte Wasser fließt über die Kanalisation zur Kläranlage. Dort erfolgt eine mechanische Vorreinigung von Grobbestandteilen, und später geht es zur biologischen Klärung. In dieser Phase werden in verschiedenen Prozessen die als Schweb im Abwasser vorhandenen Stoffe dem Wasser entzogen. Diese Stoffe bilden den Klärschlamm, der ja dann irgendwo (nach seiner Zwischenlagerung) abgelagert oder verwertet werden muss. Vor einigen Jahren war es völlig normal, den Klärschlamm als Träger von Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor in der Landwirtschaft auf die Äcker auszubringen, scherzhaft auch als „Dünnschichtdeponie“ bezeichnet. Wir alle wissen aber auch von der überhöhten Nitratbelastung der Böden. In der jüngeren Vergangenheit wurden deshalb neue Rechtsnormen bezüglich Düngung und Klärschlammverwertung erlassen, die neue Lösungen erfordern, denen sich auch die REWA stellen muss. Einfach auf eine Deponie bringen kann man den Klärschlamm nicht, denn die neuen Regelungen fordern eine Phosphorrückgewinnung. So kam es nach längerer Vorbereitung 2012 zur Bildung der Klärschlamm-Kooperation (KK), einem Zusammenschluss mehrerer Klärschlamm erzeugender Verbände/Gesellschaften, die ihren Klärschlamm in einer zentralen Anlage in Rostock verbrennen wollen. Eine Verbrennungsanlage gibt es bereits auf Rügen. Die Rostocker Anlage muss aber noch gebaut werden. Wenn alle Entsorgungsbetriebe, die die KK gegründet und die, die den Beitritt schon beschlossen haben, ihren Klärschlamm nach Rostock liefern, dann stehen hier über 50 % der in MV anfallenden Klärschlammmenge zur Verbrennung bereit. Die Rückgewinnung des Phosphors soll aus der Asche erfolgen. Eines ist jetzt schon klar: Wenn die Anlage läuft, werden wir alle deutlich mehr für die Abwasserklärung bezahlen müssen. Wir bedanken uns bei Herrn Zenker für seine kompetenten und interessanten Ausführungen sowie sein unkompliziertes Eingehen auf die vielen Zwischenfragen. Unser Dank gilt auch dem Vorstand des Vereins „Seniorenakademie 55plus“, der es wieder verstanden hat, uns ein interessantes Thema nahe zu bringen und gleichzeitig ein mittelständisches Unternehmen der Hansestadt vorzustellen.

 

Walter Stephan

Seniorenakademie 55plus

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