Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Keine Fußnoten

28.06.2016, Siegfried Spantig, Hagenow
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Zweck heiligt die Mittel"
im Schweriner Blitz vom 28.06.2016

Zu »Zweck heiligt die Mittel«, Blitz vom 26. Juni.

Unlängst las ich, ein Dachdecker habe mit seiner Briefträgerin den Sozialismus in der DDR vermasselt, woran sie dann schließlich zu Grunde gegangen ist. Ich habe das anders erlebt: Eine bestimmende Mehrheit der Bürger der DDR wollte ihren Staat nicht mehr und die SU gab ihr »ladno« dazu. Damit war das Kapitel Diktatur der DDR abgeschlossen, für die Geschichte, nicht für manche Ex-DDR-Bürger. Die streiten darum, ob Deutsche in einer oder in zwei Diktaturen gelebt haben. Dabei wird allerdings vermieden zu sagen, was eine Diktatur ist, wie sich ihre wesentlichen Merkmale zeigen. Zu sagen NSDAP und SED standen auf einer Stufe, das ist keine Definition, nur Zungenschlag. Und dann kommt noch folgende Schwierigkeit hinzu: Die Diktatur der DDR richtete sich gegen etwas, das es in der DDR gar nicht gab: kapitalistische Banken, Konzerne, Kuponschneider, auch keine Leute, mit und ohne amtliche Würden, die von 1933 bis 1945 nicht nur schlicht gedient hatten. Daraus folgt, die BRD war kein antifaschistischer Staat und die DDR kein faschistischer. Vielmehr beherbergte die DDR eine Generation arbeitsamer, genügsamer Menschen, danach ging sie aus der lebenden Geschichte, die keine Fußnoten kennt. Und sie stört sich auch nicht daran, dass ihre Schreiber in diesem Falle nicht richtig hingucken.

Siegfried Spantig, Hagenow

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