Mecklenburger Blitz Verlag

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Keine Chance mehr – die „Heinkel - Mauer“ wird abgerissen!

23.02.2015, Hartwig Niemann, Rostock
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "v. 22. Februar 2015 - Bürgerbeteiligung geplant - Heinkel-Mauer soll authentisch Geschichte vermitteln"
im Wismarer Blitz vom

Die Wiro hat das sieben Hektar große Werftdreieck im Oktober 2014 gekauft. Angeblich hat die Wiro jedoch weder ein Gutachten zum Zustand des Denkmals „Heinkel - Mauer“ in Auftrag gegeben und auch nicht dessen Abriss beantragt. Diese Faktenlage kann man der Wiro also nicht unterstellen. Der Wind weht aus einer ganz anderen Richtung.

Nach Angaben der Wiro ist der „Auftraggeber des Gutachtens der Verkäufer des Grundstückes, die Krieger Grundstück GmbH. Der Auftrag für das Gutachten wurde zu einem Zeitpunkt erteilt, an dem es noch keinerlei Vorgespräche oder Verhandlungen über den (Ver-)Kauf des Werftdreiecks mit der WIRO gab.

Die WIRO wurde von der Krieger Grundstück GmbH und den zuständigen Ämtern über das Ergebnis des Gutachtens und den in der Folge gestellten Antrag auf Abriss informiert.“

Damit ist die Wiro erst einmal aus dem Schneider.

Genau an diesem Punkt beginnt schon wieder die Kungelei um Millionen. In diesem konkreten Fall zwischen der „Denkmalbehörde“ und der Krieger Grundstücks GmbH. Nur so ist es für mich erklärbar, das diese sieben ha Fläche im Oktober 2014 kostenintensiv von der Krieger Grundstück GmbH an die Wiro verkauft werden konnte.

Den Abrissantrag an die Krieger Grundstücks GmbH hat die Denkmalschutzbehörde mit folgender Begründung zugestimmt: „In einem Gutachten von INROS-Lackner (wie teuer war eigentlich das Gutachten) wird festgestellt, dass die Heinkel-Mauer unter Erhalt der historischen Bausubstanz nur sehr bedingt sanierungsfähig sei. Eine denkmalgerechte Sanierung ist aus der Sicht der unteren Denkmalschutzbehörde nicht mehr möglich und auch wirtschaftlich nicht mehr vertretbar. Mit dieser Begründung wurde dem Abrissantrag der Krieger Grundstücks GmbH zugestimmt.“

So einfach ist das und ein 20jähriges Denkmal verschwindet.

Inzwischen hat die Krieger Grundstücks GmbH die sieben ha Fläche mit der noch vorhandenen Heinkel-Mauer (noch steht sie am alten Platz) im Oktober 2014 an die Wiro verkauft. Natürlich verkaufte sich die Fläche an die Wiro günstiger, weil diese Kenntnis davon hatte, dass die Abrissfrage der Heinkel-Mauer inzwischen mit Zustimmung der zuständigen Denkmalbehörde genehmigt wurde.

Die Wiro kann also juristisch darauf bestehen, dass die Heinkel-Mauer abgerissen wird.

Und was macht die Wiro jetzt.

Jetzt beginnt das große Dilemma. Wohin mit der Mauer. Fadenscheinige Begründungen über die Bedeutung dieser Mauer erreichen jetzt den Rostocker Bürger, wohlgemerkt zu einer Zeit nachdem der Abriss schon in Tüten und Papier ist. Die Krieger Grundstücks GmbH (Möbelhausbetreiber)hat ihr Millionengeschäft durch den Verkauf an die Wiro im Sack. Diese GmbH ist inzwischen unangreifbar, weil die Denkmalsbehörde dem Abriss zugestimmt hat. Sie und die Wiro warten jetzt nur noch auf den Zeitpunkt wann mit dem Abriss begonnen werden kann. Ein tolles Geschäft für die Wiro, vor allem auch deshalb: Krieger würde den Abbruch zahlen. Darauf haben sich beide Unternehmen, Wiro und Krieger, verständigt. Kein Wunder. Bei einem Verkaufserlös von 11,9 Millionen Euro, diesen Betrag zahlte die Wiro für das Areal an die Krieger GmbH, kann diese den Abriss nur noch unter Peanuts verbuchen.

Inzwischen werden von der Denkmalsbehörde Beruhigungspillen abgeschossen um den Anschein von Demokratie (für mich eine Scheindemokratie) zu erwecken, damit wir als Rostocker Bürger nicht auf die Barrikaden gehen. Immerhin ist diese Behörde juristisch für das nun entstehende Theater verantwortlich und sucht nach Auswegen.

Auch die Wiro versucht zu beruhigen und unterbreitet den Vorschlag: „...ein Beispiel dafür könnte sein, Teile der Mauer zu erhalten und in die spätere Bebauung zu integrieren. Dies wäre eine konkrete Aufgabe für Planer und Architekten.“

Das sind die wahren Hintergründe.

Wenn Millionen in und hergeschoben werden erinnert sich doch keiner dieser Millionäre an die ehemaligen Zwangsarbeiter bei Heinkel.

Wer will schon aus einer neu von der Wiro erbauten Wohnung täglich vom Balkon aus auf diesen Schandfleck aus der Vergangenheit sehen und dann noch von hinten.

Für mich war diese Mauer schon immer ein Schandfleck, vor allem deshalb weil sie als „Heinkel - Mauer“ bezeichnet wird. So eine Mauer als Mahnmal für Zwangsarbeiter zu charakterisieren ist eine Beleidung derjenigen, die hinter dieser Mauer für „Heinkel“ geschuftet haben.

Die Mauer wird verschwinden, da bin ich mir sicher, ob der eine oder andere Bürger damit einverstanden ist oder nicht. Es geht um Millionen, die dort investiert werden sollen. Auch ich wäre froh darüber wenn dieser Schandfleck beseitig wird. Meine Vorstellung von einem "Heinkel- Museum" - man hätte es auch als Zwangsarbeiter -Museum" beschreiben können, in dem technisches Können deutscher Ingenieure im Faschismus mit malochenden Zwangsarbeitern gegenübergestellt werden, bleibt somit eine Illusion.

Einen Gestaltungs-Wettbewerb ausloben, halte auch ich für richtig. Mein Vorschlag wäre folgender:

In Würdigung der Zwangsarbeiter, die für Heinkel und damit für den Faschismus malochen mussten, sollte man nicht fernab von dieser Wirkungsstelle, wo dieses Unrecht passiert ist authentische Hinweise an die Wand nageln oder alte Teile der Mauer hinstellen, sondern am Ort des Geschehens ein würdiges Denkmal mit den Namen derjenigen errichten die zu den Leidtragenden der damaligen Zeit gehörten.

Es wäre aus meiner Sicht eine schöne Geste wenn nicht nur die Wiro, sondern auch die Krieger GmbH und wir als Rostocker Bürger so ein Denkmal gemeinsam mit dem Denkmalamt Rostock, und der Stadt finanzieren würden.

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