Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Karl Marx in Neubrandenburg

04.03.2018, Willi Behnick, Neubrandenburg
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Mögen die Diskussionen beginnen"
im Vier Tore Blitz vom 04.03.2018

Ich bin auch für die erneute Aufstellung der Statue von Karl Marx in Neubrandenburg. Nicht in irgendeiner Ecke, sondern dort, wo er auch von den Einwohnern und den Gästen der Stadt gesehen werden kann. Marx zählt als Philosoph zu den Großen der deutschen Geschichte und ist mit großen Dichtern Goethe und Schiller in einer Reihe zu nennen. Nun gibt es den Vorschlag, seine Statue liegend zu positionieren. Dies halte ich für einen Witz und einer großen Geschmacklosigkeit; es ist in meinen Augen eine Herabwürdigung der Person K. Marx. Die Statue wurde von dem Bildhauer als Standbild und nicht als Liegender geschaffen. Unser Oberbürgermeister Witt ist wohl auch für die liegende Variante. Ich hätte nicht gedacht, dass er so einen Unsinn befürwortet. Was passiert mit einem liegenden Marx? Er wird vielleicht als Sitzbank von Jugendlichen benutzt, Zigarettenkippen und Verpackungsmaterial werden auf ihn entsorgt usw.

Einige Bürger sind der Meinung, kein Denkmal von Marx in Neubrandenburg, weil er keinen Bezug zu der Stadt hatte. Nun frage ich mich hatten denn Einstein, Humboldt, Robert Koch, Mozart u.a., deren Namen Straßen der Stadt tragen, einen Bezug zu Neubrandenburg? Es werden eben große Persönlichkeiten der Geschichte auf diese Art geehrt und bei Karl Marx durch eine Statue. Wenn seine Abhandlungen, die oft gemeinsam mit Friedrich Engels geschaffen wurden, auch nicht mehr in seiner gesamten Breite auf die heutige Zeit zutreffend sind, so hat doch ein Großteil im heutigen Kapitalismus noch genauso wie im 19. Jahrhundert Gültigkeit.

Ein Satz, der dies z.B. belegt, wurde vor 170 Jahren im Kommunistischen Manifest Teil 1 niedergeschrieben: "Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschuss, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse verwaltet". Es ist auch zu merken, dass einige Bürger, die sich zu Karl Marx in demagogischer Weise äußern, seine Werke überhaupt nicht gelesen haben, bzw. verfälscht wiedergeben. Vielen Politikern ist Marx ein Dorn im Auge, weil er die Machenschaften der im Kapitalismus herrschenden Klasse aufgedeckt hat. Er sollte so aufgestellt und geehrt werden, wie es ein großer Deutscher verdient hat, nämlich aufrecht.

 

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