Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Jugendschiff "Likedeeler"

25.03.2013, K.-D. Lenhardt

Wo ist der Verstand unserer Politiker hingeraten. Versprechungen jeglicher Art vor der Wahl und nach der Wahl hat man vergessen, dass für die Vertretung der Interessen des Volkes gewählt worden ist. Sie stehen nicht für das Volk, sondern für die eigenen Interessen ein. Als Politiker kann ich doch besser Schlagzeilen machen, wenn ich mich vor einer Einrichtung präsentiere, die angeblichen Jugendlichen den Weg wieder in die Gesellschaft aufzeigt. Das macht Schlagzeilen. Inwieweit Jugendliche verändert wurden wird kaum oder gar nicht nachgewiesen. Wenn ein Herr Bockhahn meint »die ›Likedeeler‹ leistet keine Jugendsozialarbeit«, steht für mich die Frage: Herr Bockhahn, woher haben Sie diese Weisheit? Waren Sie schon auf der »Likedeeler«? Haben Sie schon mal einen Blick in die Arbeit der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter geworfen, die ihre Freizeit für die Kinder und Jugendlichen zur Verfügung stellen, um ihnen einen schönen Aufenthalt auf dem Schiff zu gewährleisten und diese Arbeit damit verbinden, den Jugendlichen und Kindern etwas beizubringen? Es geht hier nicht nur um die maritime Seite, sondern es geht um das Erlernen von Verhaltensweisen, Teamgeist und Kameradschaft. Diesen Jugendlichen muss man nicht erklären, dass sie Achtung vor anderen Menschen haben. Diese jungen Menschen beherrschen die Verhaltensregeln und treten nicht kriminell in Erscheinung. Diesen jungen Menschen wollen Sie die notwendigen finanziellen Mittel kürzen und nicht zuletzt die Grundlage für ihr Hobby und ihre Entwicklung nehmen. Wollen Sie mit der Streichung der finanziellen Mittel für das Jugendschiff, diese jungen Menschen auch auf die Straße schicken und sich dem Selbstlauf überlassen? Die Bürgerschaft der Stadt Rostock hat in Ihrer Vorstellung über die Jugendarbeit einen verschleierten Blick. Die o.g. Fakten sind ein Ausdruck, wie die Bürgerschaft der Stadt Rostock Schritt für Schritt die Arbeit der Jugend mit Füßen tritt. Hierzu kommt noch, dass die Stadt Rostock beginnt, ihren Charakter als Hansestadt zu verlieren. So nach und nach baut man den maritimen Gedanken immer mehr ab. Die »Georg Büchner« wird abserviert, das Traditionsschiff schläft den Schlaf der Gerechten, weil man nicht in der Lage ist, das richtig zu vermarkten (25.000 Besucher, soll wohl ein Witz sein) und dann legen wir die »Likedeeler« auch noch lahm. Die Bürgerschaft wird erst dann zufrieden sein, wenn wir von Warnemünde bis Stadthafen kein Schiff mehr liegen haben und mit Stolz berichten, wir waren mal eine Hansestadt. Das Problem bei unserer Bürgerschaft und bei Herrn Bockhahn ist, dass sie nur das sehen wollen, was ihnen Schlagzeilen bringt und dabei die Aufgabe der Prävention, »vorbeugende Jugendarbeit«, vergessen. Erfolgreich sind wir, wenn wir sagen können, wir haben gute Jugendarbeit geleistet und unseren Kindern für das spätere Leben etwas geboten. Das lässt sich nicht in Zahlen messen, aber sollte doch eine unserer Hauptaufgaben sein. Wir, die ältere Generation, ist für die Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen verantwortlich. Hinzu kommt, dass das Jugendschiff »Likedeeler« ein Aushängeschild für die Hansestadt Rostock ist. Was nun mit einem Federstrich zerschlagen werden soll. Der Jugend eine Aufgabe zu geben, etwas anzubieten, damit sie nicht auf die schiefe Bahn geraten – damit beginnt die Jugendsozialarbeit. Wenn wir dafür kein Geld haben, sind wir falsch gepolt und sollten aufhören von Jugendsozialarbeit zu sprechen. Wir leisten dann nur noch Schadensbegrenzung bzw. eine Aufräumarbeit für bereits durch Untätigkeit geschaffene Missstände. Jede Nation ist auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen angewiesen und fördert diese. Die jungen Menschen sollen unsere Arbeit fortsetzen, auf den Erfahrungen der »Alten« aufbauend. Aber wie soll das funktionieren, wenn wir ihnen die Grundlage entziehen?

Nicht die Gestrauchelten und Drogenkonsumenten sind unsere Stütze. Die müssen wir zwar wieder in unsere Gesellschaft eingliedern, sofern sie es überhaupt wollen, aber nicht um den Preis, dass wir den positiven Teil der Jugendlichen alle Voraussetzungen der Entwicklung nehmen und sie in die Müßigkeit drängen. Denn dann haben wir das Gegenteil erreicht. Sie haben keine Perspektiven und damit wird die Grundlage für negative Entwicklungen gelegt.

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