Mecklenburger Blitz Verlag

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Jubiläum feiern – mit Rostocks Leuchttürmen?

19.03.2018, Helmut Laun, Sprecher des Aktiventreffs der Bürgerinitiative »Südstadt lebenswert erhalten«

Da sind sie wieder, die Planer und Erbauer von Leuchttürmen – an der Mittelmole, am und im Stadthafen. Theaterpläne und Museumsträume im Hafen oder die Warnow-Brücke zum Gehlsdorfer Ufer. Touristische Attraktionen und Bewerbung für Olympia und BuGa. Schönheiten und Attraktionen für wen und was? Rostock bekannt machen in der Welt der Reichen und Schönen? Spuren hinterlassen in der Rostocker Zukunft? Und für wen und was soll das alles funktionieren? Prachtbauten und Millionenschweren Events- alles funktionierende Ideen oder nur das bekannte Muster im neuen Gewande? Frühere Leuchtturmerbauer waren Könige und Fürsten, Präsidenten und Diktatoren, ob in Paris, Berlin oder Moskau, ob Versailles, Neuschwanstein oder Stuttgart 21, es wird wieder dick aufgetragen und geprotzt. Gerade auch bei Landesregierungen, Finanzministerien und Oberbürgermeistern. Und was sagen die Untertanen, die normalen Bürger/-innen zu all dem? 800 Jahre Rostock feiern ist schön – aber sind es nicht auch die Fuhrleute und Tagelöhner, die Handwerker und Bauern, Gastwirte und Hebammen, Bauarbeiter, Marktfrauen, Matrosen und Erzieherinnen gewesen, die letztlich die Gesellschaft am laufen hielten? Frei nach Brecht, wer bezahlte die Zeche? Und wer fragt heute die Rostocker/-innen bei der 800 Jahrfeier wenn sie mit ihrem Rollator über die schlechten Gehwege holpern müssen? Oder wenn den Mietern an der Nobelstraße die eigenen Worte auf ihrem Balkon im Autolärm untergehen? Wenn durch Bauverdichtung den Südstädtern ihre erholsamen Grünflächen abhanden kommen? Rostock hatte schon immer Leuchttürme. Sie müssen nicht geplant oder gar erst erbaut werden. Sie leben mitten unter uns, es sind die Helden des Alltags, fluchend über Schlaglöcher, wenn sie zur Arbeit fahren, sind gerne an Sonntagen im Kringelgrabenpark oder flanieren mit ihrer Familie am Schwanenteich zur Kunsthalle. Sie alle würden noch lauter Jubilieren wenn die 800 Jahre gefeiert wird. Rostocks Alltagshelden würden jubeln wenn die Stadtpolitiker mit ihren Bürgern gemeinsam normal funktionierende Einrichtungen und Wege, Naturflächen, Spielplätze und Wohnhäuser zu bezahlbaren Gebühren und Mieten planen und bereit halten könnte.

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