Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Jetzt reicht es aber

10.12.2019, Elke Kalkofen, Lübz

... von wegen: die DDR ein Unrechtstaat! Ich stehe auf der Seite von Manuela Schwesig und mache dieselbe Aussage: die DDR war KEIN Unrechtstaat. Es ist furchtbar, was lhnen passiert ist, Herr Brandt. Aber in der DDR war es genauso wie es heute ist: wer sich an die im Land geltenden Gesetze gehalten hat und halt, dem passiert nichts. Und ich finde es sehr schade, dass zu viele Menschen vergessen haben, was wir alles Gutes in der DDR hatten. Und die Menschen, mit denen ich ins Gespräch komme, sind ebenfalls der Meinung, dass nicht alles in der DDR schlecht war. Aber leider ist zu viel in Vergessenheit geraten. Und glauben Sie mir, ich war in der DDR weder in der Partei, noch hatte ich es jemals mit der Stasi zu tun. Aber wie sieht es denn heute aus? Seit dem Mauerfall ist für mich persönlich alles tausendmal schlimmer. Und wer erinnert sich schon noch daran, was nach dem Mauerfall mit uns veranstaltet wurde? Diese ganzen Ungerechtigkeiten. Ausgeraubt, ausgeplündert und platt gemacht. Tatsache ist, dass ich mit nur 33 Jahren arbeitslos geworden bin, weil ich für meinen geistig behinderten Sohn keine Betreuung mehr bekam. Und trotz Erlernung eines neuen Berufes habe ich nie wieder eine Arbeit gefunden, die ich mit der Betreuung meines behinderten Sohnes hatte vereinbaren können. In der DDR war das alles KElN Problem. Eine Familie hatte ich nie und habe ich bis heute nicht. Und dieser Unrechtstaat lässt Menschen wie mich im Stich. Seit dem Tod meines Mannes vor 20 Jahren ist meine einzige Einnahme meine Witwenrente. Nach Abzug meiner Fixkosten bleiben mir ganze 200 Euro im Monat zum Überleben übrig. Für mich gibt es seit dem Mauerfall keinen Urlaub mehr (der letzte 1988) und auch keine kulturellen Veranstaltungen mehr. Wovon? Der Wessi hat schliesslich nach dem Mauerfall platt gemacht, was er nur platt machen konnte. Und nach dem Plattmachen und Abschaffen, was auch nur nach DDR roch, gab es im Westen einige (für mich zu viele) Millionäre mehr. Und nicht jede DDR Frau ist arbeiten gegangen. Ich bin immer gerne arbeiten gegangen. Es ist gut für‘s Allgemeinwissen. Seit dem Mauerfall kann ich von Leben nicht mehr reden, es ist mehr ein Dahinvegetieren. Ich lebe nämlich seit dem Tod meines Mannes mit meinem behinderten Sohn alleine. Und wir müssen jeden Cent 5 mal umdrehen, bevor ich ihn ausgebe. Und das soll gerecht sein? Zum Amt gehe ich nicht, weil es zu menschenunwürdig ist. Die Reichen, die nur durch Schwindel und Betrug reich werden, haben in diesem Unrechtstaat Sonderrechte und ein Hilfebedürftiger darf keinen Cent zu viel haben, muss sich auf dem Amt nackig machen, und es wird peinlichst geprüft, ob auch ja kein Cent auf dem Konto eingegangen ist. Und das soll gerecht sein? Ich glaube nicht, dass man diesen Zustand gerecht nennen kann. Ich könnte noch 1000 andere Ungerechtigkeiten in diesem Staat aufzählen. Aber wie schon erwähnt, dann müsste ich einen Roman einreichen. Denn: ich habe nach der Wende ausgiebig Geschichtsunterricht betrieben, und darum macht mir kein doofer Wessi ein X vor dem U. Schade, dass unsere Regine Hildebrandt zu früh gestorben ist. Sie hatte ebenfalls gleich nach der Wende erkannt, was mit uns veranstaltet wurde. Mein ganzer Stolz ist es, dass ich meine Miete selber bezahle und NICHT auf Staatskosten lebe, obwohl es mir zusteht. Aber ich habe Stolz und Ehre im Leib. Und in der DDR hat man sparen gelernt. Wer kann das heute noch??? Und als DDR Bürger lebe ich aus dem Portemonaie und nicht auf Pump, wie es heute üblich ist. Das ist mein Reichtum!

Elke Kalkofen, Lübz

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