Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Interview mit Dr. Justus Hilpert / Sendung Quarks vom 30.04.2019

04.05.2019, Anonym, Schwerin (Name dem Verlag bekannt)

Liebe Redaktion,

meine Lebensuhr tickt jetzt auf das 73. Jahr zu. Für meine Organe wird sich bestimmt keiner mehr interessieren. Einen Spendenausweis habe ich nicht.

Dagegen sind die Organe meiner Kinder und Enkel noch sehr frisch. Bei einem tödlich verlaufenden Unfall hätte ich als Vater und Großvater keine Möglichkeit, gegen eine Organentnahme zu stimmen. Wer weiß, ob ich überhaupt gefragt worden wäre? Die Organe sollten ja möglichst in frischem Zustand zur Entnahme kommen.

Das einzige, wo man mir die Entscheidung abnimmt, sind die Kosten für Überführung und Beisetzung. Diese muss ich dann wieder zahlen! Hierfür gibt es keinen Spender.

Der kleine Obolus als Sterbegeld wurde 2003 aus den Sozialgesetzen gestrichen. Es sei denn, man ist Beamter, bei denen zahlt der Staat. (Warum muss die Bevölkerung eigentlich diese Menschen mit durchfüttern?)

Warum muss der Bürger sein ganzes Leben lang immer zahlen, zahlen und zuletzt noch seine Organe spenden? Warum spenden? Warum nicht verkaufen?

Nach meiner etwas vereinfachten Rechnung sollten die Gelder dafür in Massen vorhanden sein.

Ein Bürger, der ca. 4000 Euro Brutto verdient und 40 Jahre in die Sozialversicherung eingezahlt hat, der hat ca. 390.000 Euro Sozialabgaben gezahlt. Das reicht aber nicht. Wenn er Medikamente benötigt, muss er zuzahlen. Bei einem Krankenhausaufenthalt muss er zuzahlen. Es gab auch schon Zeiten, wo der reine Praxisbesuch 10 Euro kostete. Bei einer Zahnprothese muss er zuzahlen usw. usw.

Für die Angehörigen wäre es doch viel einfacher nach dem Tod eines lieben Verwandten nicht vor einem finanziellen Scherbenhaufen zu stehen. Die Zustimmung zur Organentnahme würde bestimmt auch mit weniger Skepsis erfolgen, wenn die Klinik für ein Herz z. B. 10.000 Euro für eine Lunge 8.000 Euro und für eine Niere 5.000 Euro zahlen würde.

So könnten die Versicherungen wenigstens einen Teil ihrer Einnahmen zurückgeben.

Hier würde dann mal die Gerechtigkeit siegen und nicht die Gier nach Profit.

Ich denke, die Wartelisten auf ein neues Organ könnten dann ausgedient haben? Ebenso würde die private Bereicherung durch Manipulation an den Listen vorbei sein. Affären, die es bis in die Öffentlichkeit schafften, gab es ja einige.

Alles wäre sauber geregelt und der Mangel an Organen beseitigt. 

 

Ich würde mich freuen wenn sie diesen Brief zur Diskussion veröffentlichen.

 

mit freundlichen Grüßen 

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