Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Ihre Scheinheiligkeit

10.03.2011, Siegfried Spantig, Hagenow

Da ich nicht der Partei des Herrn zu Guttenberg angehöre, kann ich reden, wie es sich zur Sache gehört, muss auch nicht christliche Solidarität üben, die übrigens gar nicht zu üben ist, denn es geht nicht um eine Schrift, die summa cum laude nicht verdient, sondern um das generelle Anliegen der Menschen.

Anstatt so zu tun, als wäre die in Rede stehende Sache die erste dieser Art, hätte das System offengelegt werden müssen, dass eine unendlich lange Tradition besitzt. Zum Beispiel erzählte mir ein Dr. jur., er habe sein Studium als armer Dorfleute Kind nur deshalb finanzieren können, weil er gutbetuchten und faulen Studenten die Hauptteile ihrer Doktorarbeiten schrieb.

Es ist auch nicht so, dass das wissenschaftliche Niveau der Studenten deshalb zu wünschen übrig lässt, weil eben Doktorarbeiten geschrieben werden, die keine sind. In Deutschland beherrschen an manchen Universitäten die Studenten die Herren Professoren, weil sie grundsätzlich gute Noten verlangen, ansonsten Vorlesungen bei dem betreffenden Wissenschaftler vor leeren Bänken gehalten werden müssen. Was wir in dem Falle des Herr Baron erlebten, das war der massenhafte Auftritt von Scheinheiligkeit, als Saubermann und Wahlkämpfer getarnt. Hätte man wirklich dem Volk dienen wollen, wäre der Gang der Dinge ganz einfach so gewesen: Herr zu Guttenberg bringt die Bundeswehrreform gut über den Berg, holt alle Soldaten von den Bergen des Hindukusch, damit keine Mutter mehr ihren Sohn beweint. Und über diese Meisterleistungen wird eine Doktorarbeit geschrieben: summa cum laude.

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