Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

´Humanismus im Kapitalismus

13.10.2014, Ursula Wachtel, Rostock
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Lebensmittelvernichtung"
im Rostocker Blitz vom 12.10.2014

Liebe Redaktion,

Bezugnehmend auf den Beitrag R.Liermann

„Welche humanistischen Wertvorstellungen bilden die Grundlage für die Politik der EU und der gesamten in der EU vertretenen Staaten mit ihren Regierungen?“

165 Mill. Euro werden von der EU (unsere Steuergelder!) bereitgestellt um tonnenweise Lebensmittel zu vernichten. Zu anderen Zeiten wurde Milch in die Gullys geschüttet, damit die Preise erhalten bleiben. Schon im vorigen Jahrhundert wurde Kaffee in Loks verbrannt, weil der Weltmarkt gesättigt war. Felder mit Gemüse werden untergepflügt, um die Bauern angeblich zu entlasten. Für die Millionen Euro an Vernichtungsgeldern könnte man Lebensmittel in Flugzeuge und Schiffe laden und an die Hungernden in aller Welt verschenken. Ist es gewollt, dass Menschen nicht Hungers sterben?

Millionen Menschen, man spricht von 1 Milliarde auf der Welt, die an Mangelernährung leiden. Schon deren Kinder kommen durch ihre hungernden Mütter geschädigt auf die Welt.

Als die BSE-Hysterie auf ihrem Höhepunkt war, wurden Millionen Rinder getötet und auf Scheiterhaufen verbrannt. Hätte man nicht hunderttausende schlachten können, wenn man sie auf BSE untersucht hätte? Dann wären die Preise für Rindfleisch in den Keller gegangen. Hätte man nicht ihre Häute zu Leder verarbeiten können? Man hat aber nicht die Preise für Leder gesenkt. Nein, ein Paar gute Lederschuhe dürfen nicht unter 150,- DM bzw. Euro kosten. Und BSE gib es nach wie vor. Wieviele Menschen müssen in Plasteschuhen oder Stoff-Turnschuhen laufen, weil sie nur die erschwingen können. Das wird als modisch dargestellt, damit niemand auf die Idee kommt, das sei versteckte Armut.

Wir blasen uns auf als die einzig wahren Menschenrechtler. Wir wagen es, anderen Völkern Lektionen in „Demokratie und Einhaltung der Menschenrechte“ zu erteilen. Die Menschenrechte, die der Westen anmahnt werden gebetsmühlenartig wiederholt: Versammlungs-, Rede- und Pressefreiheit. Die wahren Rechte, die Menschen ein würdevolles Leben ermöglichen, kann der Kapitalismus nicht verwirklichen, als da sind

Arbeit für jeden, um sich einen angemessenen Lebensstandard zu sichern;

menschenwürdigen Wohnraum für jeden;

das Recht auf bestmögliche Gesundheitsversorgung;

das Recht auf körperliche Unversehrtheit einschließlich der Verhinderung von Angriffskriegen;

Bildung für alle ohne Ansehen der Person oder Herkunft.

Dieses kapitalistisch-imperialistische System hat jegliches Recht auf irgendeine Belehrung anderer Völker und Staaten verwirkt.

Mit freundlichen Grüßen U.W.

 

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