Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

How dare you?! Wie könnt Ihr es wagen?!

01.10.2019, Pro Recycling e. V. , Rostock

Im März diesen Jahres hat die Mehrheit der („alten“) Bürgerschaft den Weg frei gemacht für eine Verbrennung von kommunalen Klärschlämmen aus halb Mecklenburg. Gegen alle Sachargumente, gegen alle CO2-freien alternativen (und kostengünstigeren!) Verfahren. Gegen die Empfehlungen des Weltklimarates in seinem Bericht „SR 1.5“ aus dem Herbst 2018. So, als wäre der Klimawandel nicht existent. Die Grünen, Die Linke und die SPD - allesamt Klimaleugner?

In dieser Woche beschloss das gleiche Trio (in der „neuen Bürgerschaft“) die Ausrufung des „Klimanotstandes“ in Rostock, entgegen aller Vernunft, entgegen ihrem eigenen Handeln zugunsten einer Klärschlamm-Verbrennung, entgegen den Argumenten der CDU-Fraktion, entgegen dem Angebot von unserem OB, innerhalb von 99 Tagen handfeste Vorschläge für mehr Klimaschutz in Rostock vorzulegen.

Wie kann man eine derartige Widersprüchlichkeit erklären oder kommentieren? Die Worte, die mir einfallen, sind alle heftig justiziabel. In meiner Hilflosigkeit greife ich auf einen TAZ-Artikel (https://taz.de/Greta-Thunbergs-How-dare-you/!5627066/) zurück:

„Es war ein Satz für das Wörterbuch des immer noch jungen 21. Jahrhunderts, ein Satz, der eine Welt zum Einstürzen bringen könnte, wenn diese Welt dafür bereit wäre: „How dare you“, sagte Greta Thunberg in ihrer Rede bei der Uno in New York diese Woche – es war das „Yes, we can“ der Generation Greta, und nicht so sehr Wut, Enttäuschung oder Verletzung trieb diese Rede, trieb diesen Satz an, sondern etwas, für das es ein altmodisches deutsches Wort gibt: Entrüstung.

Wie kann es sein, sagte sie, wie könnt ihr es wagen, sagte sie, wer gibt euch das Recht, sagte sie, unsere Welt zu zerstören – und die Wachheit, die Wundheit, die Direktheit, mit der sie es sagte, machte klar, wie verstellt, verdreht, verlogen die Worte derjenigen sind, die eine rhetorische Rüstung tragen, die sich verstecken hinter Begriffen von Wahrheit, von Politik, von Rationalität, die längst brüchig geworden sind vor dem Hintergrund der Klimakrise, und je länger sie sich verstecken, desto mehr verlieren sie an Legitimität.“

Wen haben wir da gewählt, wir Wähler der Grünen, der Linken und der SPD? Lasst uns „unsere“ Abgeordneten fragen, was sie sich dabei gedacht haben. Lasst uns fordern, dass sie den unsäglichen Standortbeschluss zurücknehmen. Lasst uns fordern, dass sie sich sachkundig machen und das Gespräch mit uns Bürgern suchen, bevor sie sich erneut und diesmal für ein klimafreundliches Verfahren entscheiden! Denn nur wir Bürgern finanzieren das ganze Geschehen über unsere „Schmutzwassergebühr“. Die wird durch die beabsichtigte Klärschlamm-Verbrennung sehr ansteigen. So werden wir durch die Klärschlamm-Verbrennung nicht nur eine vermeidbare Beschleunigung des Klimawandels erdulden müssen, sondern auch vermeidbare finanzielle Belastungen erfahren. Beides muss nicht sein!

Lasst uns handeln, noch ist es nicht zu spät!

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