Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Höchstlohn statt Mindestlohn

12.03.2012, Herbert Häußer, Wessin Criviz

Leider verpufft die Forderung Mindestlohn, da wir inzwischen sinkende Lohnquoten (Anteil der Löhne am Sozialprodukt) verzeichnen. Ferner bringt ein Mindestlohn fast keine spürbare Veränderung auf dem Arbeitsmarkt, da der Zuwachs prekärer, atypischer Beschäftigungen inzwischen bei 40% aller Beschäftigten liegt. Minijob, Zeit- und Leiharbeit werden durch immer neuere Formen atypischer Beschäftigung erweitert: befristete Arbeit ohne erforderlichen Sachgrund und neuerdings Werkvertrag statt Honorartätigkeit bzw. Leiharbeit. Der Mindestlohn nach MV-Muster führt lediglich zu einem Anstieg der Niedriglöhner (unter 10 Euro spricht man vom Niedriglöhner) von schon 6,5 Millionen = 28% der Beschäftigten. Es sind die USA, die in der Vergangenheit durch das Instrument eines Höchstlohnes einen Mindestlohn überflüssig machten: dabei orientiert man sich an den Einkommen der oberen 50% und legt diese auf die unteren 50% um. Bereits 1880 forderte Adler einen Maximallohn, der sodann während des ersten Weltkriegs auf 100 Tausend Dollar (Zetsche, Daimler-Benz oder Ackermann, Deutsche Bank verdienen heute Millionen Euro) und 100%-ige Versteuerung festgelegt wurde. Noch radikaler und einfacher wäre die Festlegung einer Lohnquote nach dem Muster der Umlage der Sozialversicherung in der BRD; dieser Lohn für alle könnte einer Spekulation entzogen werden und zusätzlich zu enormen Einsparungen bei Verwaltungskosten führen. Die jetzige Zeit der Globalisierung braucht - wie die obigen Beispiele zeigen - kontroversen Denken; nur kontroverses Denken führt aus der Sackgasse der Monopolisierung und Globalisierung heraus. Anscheinend können wir alternative Modelle nur noch von der Piratenpartei erwarten; eine Linke, die nur noch gut versorgte Berufspolitiker hat, wird schließlich nicht den Ast absägen auf dem sie sitzt, da ihr ihre eigene, beamtenähnliche Versorgung wichtiger erscheint. Die Parteigrößen Holter, Bartsch und Ernst lassen die Prekären so gut versorgt im Regen stehen.

 

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