Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Hedwig Jaenichen-Woermann

19.02.2016, Wolfgang Mengel, Stralsund

Am Dienstag, 9.2.16, trafen sich wieder Mitglieder und Gäste der Seniorenakademie 55 plus Stralsund zu ihrer nächsten Veranstaltung.

Eingeladen war Frau Dr. Renate Billinger-Cromm aus Wustrow, die uns das Leben und Schaffen der Künstler- und Malerin Hedwig Jaenichen-Woermann (1879-1960) näher bringen wollte.

Die Referentin will die gebürtige Hamburger Künstlerin dem Vergessen entreißen. Deshalb erschien am 29.8.2015 die erste Biographie über Hedwig Woermann als lebens- und zeitgeschichtliches Dokument. Die Malerin führte bis zum I. Weltkrieg ein freies und selbstbestimmtes Leben, studierte in Paris, arbeitete in Rom und bereiste mit ihrem Ehemann Johannes Jaenichen Afrika, Asien und Südamerika. Nachdem das Ehepaar mehrfach durch Flucht, Rückreise nach Deutschland und Bombenhagel Ateliers und Werke verloren hatte, bedurfte es einer intensiven Recherchearbeit von Frau Dr. Billinger-Cromm, um in den Archiven, z.B. in Kassel, Bern und Paris, u.a. Tagebücher, unveröffentlichte Fotos und über 500 Briefe (in Sütterlin geschrieben), allein über 100 Briefe aus einem Briefwechsel zwischen Hedwig Woermann und Rainer Maria Rilke, zu finden.

1919 zog das Künstlerehepaar nach Wustrow, kaufte sich das Storchenhaus und machte Fischland-Darß zu seiner Wahlheimat. Nach dem Ende des II. Weltkrieges mit allen seinen Folgen hatte das Ehepaar seinen Lebensmut verloren und ging in den Freitod, den Hedwig Woermann dank der Hilfe der Dorfbewohner überlebte. Große finanzielle Probleme prägten die folgenden 15 Jahre in Wustrow. 1960 starb sie, ihr Grab befindet sich auf dem Fischlandfriedhof in Wustrow.

Hedwig Woermanns Stil wird als feinfühlig und der Neuen Sachlichkeit der 1920-Jahre zugeordnet. Der Kunsthistoriker Wolf Karge schreibt u.a. über sie: »Ohne Frage war Hedwig Woermann eine der interessantesten Persönlichkeiten der deutschen Kunstszene in der ersten Hälfte des 20. Jh. Durch ihr Elternhaus ausgestattet mit neuhanseatischem Selbstbewusstsein und ebensolcher Weltsicht ging sie ihren künstlerischen Weg ohne Selbstzweifel.« Davon zeugt auch ihr Lebensmotto (zumindest bis zum Ende des II.WK): »Lebe das Leben, wie es wirklich ist, denn es gibt noch ein Glück«.

Ein herzliches Dankeschön geht an Frau Dr. Billinger-Cromm für ihren sehr interessanten Vortrag. Wolfgang Mengel, Stralsund

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