Mecklenburger Blitz Verlag

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Handwerk ade?

01.09.2019, Wolfgang Mengel, Stralsund

Handwerk ade?

In der Presse war kürzlich zu lesen, dass in MV eine Überzahl von Lehrstellen nicht besetzt werden kann. Die Friseuse meiner Frau klagte, dass sie im Salon nur noch zwei Kräfte haben und keine Lehrlinge (früher einmal ein beliebter Beruf für junge Mädchen). Von der Rückfront eines vor mir fahrenden Stralsunder Firmenwagens prangte das Schild: „Wir suchen Lehrlinge.“ Dass zunehmend die heranwachsende Jugend sich gegen handwerkliche Berufe entscheidet, liegt m. E. an den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Da sind einmal viele Eltern, die meinen, ohne Abi haben ihre Kinder keine Chance. Die Problematik zu vieler Gymnasiasten wird sichtbar, dass eine relativ hohe Schülerzahl das Abi nicht schafft oder Abiturienten ein späteres Studium vielfach wechseln oder ganz abbrechen. Wird dann über die Medien, vor allem im TV, auch noch suggeriert, dass man auch ohne oder mit nur wenig Bildung viel Geld verdienen kann, bleibt für das Erlernen eines soliden Handwerks nur noch wenig Raum. Auch dadurch veröden deutsche Werte! Früher hieß es mal: „Handwerk hat goldenen Boden.“ Es gilt, vermehrt Möglichkeiten zu finden, der heranwachsenden Generation aufzuzeigen, dass vor einem soliden Handwerk mit hohen Qualitätsansprüchen bisher jeder seinen Hut gezogen hat. Bodenhaftung ist gefragt! Höhenflieger wissen vielfach nie, wann sie wo und vor allem wie später landen werden.

Wolfgang Mengel, Stralsund

 

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