Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Haltung des Schweriner Zoos ist erschreckend

02.11.2011, Dr. Wolfgang Leist, Schwerin
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Es stinkt gewaltig"
im Schweriner Blitz vom 30.10.2011

Die im letzten „Blitz“ dargestellte Haltung des Zoos zur fehlenden Behindertentauglichkeit des neuen Humboldt-Hauses kann man nur bestürzend nennen. Der Zoo argumentiert damit, dass es sich a) nicht um ein herkömmliches öffentliches Gebäude, sondern um ein für Besucher zugängliches Tiergehege handele, b) der Zoo ohnehin in seiner Gesamtanlage nicht behindertengerecht sei und deshalb c) sich Rollstuhlfahrer im Zoo regelmäßig zusammen mit Begleitpersonen bewegen würden.

 

Die Unterscheidung zwischen „herkömmlichen öffentlichen Gebäude“ und einem „für Besucher zugängliches Tiergehege“ ist mehr als hanebüchen. Es ist ein Gebäude einer kommunalen und gemeinnützigen Gesellschaft, das allen Besuchern des Zoos offensteht – und damit auch Schwerbehinderten, die das gleiche Recht auf Teilhabe am öffentlichen Leben haben.

Die weiteren Argumente sind eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Da die Anlage nicht für Rollstuhlfahrer – es gibt übrigens auch Schwerbehinderte ohne Rollstuhl, Senioren mit Rollatoren und Eltern mit Kinderwagen, die gleichermaßen betroffen sind – geplant ist und sie daher meist mit Begleitpersonen kommen, baut man auch neue Anlagen gar nicht erst so, dass sie für Schwerbehinderte tauglich sind. Das hindert wiederum die Schwerbehinderten daran, ohne Begleitpersonen den Zoo zu besuchen. Womit man auch weitere Anlagen nicht behindertengerecht planen muss. Und so fort. Ist es wirklich so schwierig zu begreifen, dass man einfach mal irgendwo anfangen muss und das man eben Neubauten per se behindertenfreundlich planen und bauen kann?

 

Angelika Stoof, Dr. Wolfgang Leist (Unabhängige Bürger)

 

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