Mecklenburger Blitz Verlag

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Gysi fürchtet sich!

20.03.2018, Karl Scheffsky, Schwerin

Bei seinem katholischen Kirchgang kurz vor Ostern in Neubrandenburg bekannte sich der geistreiche Gregor Gysi erneut: Ich bin nicht religiös. „Aber ich fürchte mich vor einer gottlosen Gesellchaft.“ Warum denn das? Sie ist doch noch in weiter Ferne und gegenwärtig kämpfen wir um das Überleben der Menschheit! Auch ein Linker. Der scharfe Analytiker Fidel Castro mahnte in seinen letzten Monaten an: "Die Welt hängt am seidenen Faden."

Aber Gysi philosophiert weiter: Die Linke sei heute viel zu schwach, um moralische Werte zu entwickeln und populär zu machen. Der Kapitalismus könne dies schon vom Grundsatz nicht. „Wenn wir die Kirche nicht hätten, gebe es allgemein moralische Werte nicht.“ Warum ignoriert er hier die moralischen Werte im opferreichen Kampf gegen Krieg, Unterdrückung und Ausbeutung sowie die Ethik für nationale Integrität und Sozialismus (siehe das cubanische Beispiel)? Gleichzeitig ungeniert kein Wort zum hohen moralischen Einsatz für den Schutz der Umwelt gegen Profitinteressen im Sinne der Rettung der Menschheit. Das ist doch der Hammer und "Dritte Weg" par exellence.

Auch Dietmar Bartsch hatte im letzten Bundestagswahlkampf in der evangelischen Kirchenzeitung IDEA ähnliche weltanschaulichen eklektizistischen Auffassungen propagiert.

Der 200. Geburtstag von Karl Marx sollte für beide Anlass sein, sich über den Unterschied von Dialektik und Eklektizismus klar zu werden. Sein unverzichtbarer Mitkämpfer Friedrich Engels hat bei dieser Problematik sehr gekonnt und sachlich die Begriffe geistreich und tief sowie hie und da konfus eingesetzt. U. a. beispielhaft und empfehlenswert im Jubiläumswerk Anti-Dühring.

Karl Scheffsky, Schwerin

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