Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Gutshäuser seit 1990 dem Verfall preisgegeben

08.04.2019, Hans Peter Aurich, Schönberg
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Grammow ist überall"
im Wismarer Blitz vom 07.04.2019

In der Diskussion um bedrohte Gutshäuser in Mecklenburg verweist Herr Klaus-Peter Siegl aus Köln auf die lang zurückliegende Geschichte. Die jüngere Geschichte, die ich in diesem Land erlebte, scheint ihm aber, bezogen auf den Diskussionsgegenstand, fremd zu sein. Die aus seinem Grußwort an die Mecklenburger resultierenden Knechte habe ich vor 1945 bei meinen Besuchen auf dem Lande als kleiner Junge erlebt. Sie lebten in Tagelöhner-Katen und hatten mit Schlössern und Herrenhäusern eben nur als Knechte etwas zu tun. Es waren keine Knechte mehr, denen die Guts-und Herrenhäuser, die im Ergebnis des verbrecherischen Krieges leer standen, zu ihrer Nutzung übergeben wurden. Sie wurden zunächst für das Nötigste (u.a. zum Wohnen aber auch zur Betreuung Typhus-Kranker) gebraucht. Später entstanden in diesen Räumen Arztpraxen, Gemeindeschwesterstationen, Kindergärten, Konsum, Räume für Feste und zur Freizeitbegegnung der Dorfbewohner. Die Bausubstanz wurde auch für eine eventuell später andere Nutzung erhalten. Zum Dorfmittelpunkt waren sie auch geworden. Dem Verfall preisgegeben wurden sie vielfach aber, als vor drei Jahrzehnten die genannten allgemeinnützigen Einrichtungen schließen mussten und kapitalkräftige Immobilienspekulanten die Freiheit hatten, mit den erworbenen Immobilien so umzugehen, wie es heute beklagt wird. Für Kommunen ist eine Sanierung für wirtschaftlich nicht tragbare Objekte nicht möglich und kapitalkräftige Menschen mit Sinn für das Gemeinwohl gibt es nur vereinzelt. Wenn Herr Siegel sich näher informieren will, dann bestünde von seinem nächsten Wohnort aus die Gelegenheit eines Besuches in Pötenitz. Ein Blick durch Hecken und Absperrungen auf ein dahinsiechendes Schloss, das ich aus Tagen mit oben beschriebener Nutzung in gutem Zustand kenne, gäbe dann die Gelegenheit für geschichtsbezogene Nachforschung.

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