Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Gute Nacht Frau von der Leyen!

23.03.2018, Hartwig Niemann, Rostock
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Beitrag von Herrn Mengel zum Thema Westliches Russland, "
im Rostocker Blitz vom 21.03.2018

Sehr geehrter Herr Mengel Sie haben mit Ihrem Beitrag „Westliches Rußlandbild“ den Nagel auf den Kopf getroffen.

Ich kann mich noch daran erinnern, dass es schon einmal ein Rußlandbild gab. Es war ein faschistisches Rußlandbild, das uns damals fast täglich über die „Göbelsschnauze“ (Radio) erreichte. Dieses Rußlandbild war geprägt von solchen Worten wie den „bösen Bolschewisten mit dem Messer im Mund“ und anderen unmenschlich anmutenden Äußerungen. Heute ist man in dieser Beziehung noch etwas vorsichtiger, aber die Hinterlist bleibt. Sie steht wie ein Rotes Tuch im Background.

Sind wir heute schon wieder so weit?

Ich erinnere noch einmal mit aller Schärfe an die mörderischen Verbrechen der faschistischen Einsatzgruppen A-D, insbesondere der „Einsatzgruppe A“ unter Stahlecker in Lettland, Litauen und Estland. Die Einsatzgruppen wurden im Frühjahr 1941 mit dem Zweck gebildet, während des Russlandfeldzuges die sogenannte "jüdisch-bolschewistische Intelligenz" zu beseitigen. Dabei blieb es aber nicht:

Hunderttausende Juden aus diesen Ländern wurden ermordet. Leningrad sollte durch die Heeresgruppe Nord unter dem Befehl von Generalfeldmarschall von Küchler dem Erdboden gleichgemacht werden.

Die damalige Sowjetunion hat ca. 27 Millionen Kriegstote zu beklagen.

Und jetzt stelle ich mir die Frage, was will man überhaupt mit dem gegenwärtigen Rußlandbild erreichen? Will man den deutschen Bürger jetzt schon weichklopfen, damit er möglicherweise auf einen neuen Krieg gegen Rußland (die Sowjetunion gibt es ja nicht mehr) eingestellt ist? Rußland jetzt schon als einen Aggressor hinzustellen, der möglicherweise Estland, Lettland, Litauen, Polen oder sogar Deutschland angreifen könnte, ist doch absoluter diplomatischer Unsinn und passt haarscharf in dieses Feindbild, dasS uns täglich durch westliche Medien, insbesondere aber auch durch die Verteidigungsministerin der Bundesrepublik Frau von der Leyen in unsere Ohren geblasen und suggeriert wird. Ich bin zwar inzwischen 80 und habe den Zweiten Weltkrieg überlebt, aber ich kann immer noch gut hören und sehen. Ein atomarer Krieg würde das Ende unserer schönen Evolution bedeuten.

Verbunden wird das gegenwärtige Rußlandbild gleichzeitig immer auch mit einer verstärkten Aufrüstung der NATO in Deutschland. Deutschland mutiert immer mehr zum Militärstützpunkt für die NATO. Jetzt gibt es sogar Überlegungen das Hauptquartier der NATO in Ulm einzurichten. Diese Vorstellung ist gegenwärtig gedanklich bei den Verantwortlichen präsent.

Obwohl es hungernde Kinder- und Rentnerarmut in Deutschland gibt, ist die Bundesregierung bereit, solche Stützpunkte finanziell zu unterstützen.

Auf der einen Seite befürchtet man Strafzölle von den USA und auf der anderen Seite hofiert man die NATO als westliches Verteidigungsbündnis.

Ich kann nur eine Schlussfolgerung treffen: Wenn es zum großen Knall kommt, dann sind nicht die USA die Leidtragenden, sondern wir als deutsche Staatsbürger. Wir liegen zwischen Baum und Borke, wenn sich die Großen in die Wolle kriegen. Dann fliegen uns in Deutschland die atomaren Fragmente um die Ohren, dass es nur so kracht und knallt. Da kann man nur noch sagen: Gute Nacht Frau von der Leyen!

 

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