Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Gute Kinderstube

19.08.2018, Gabriele K., Rostock

Gesellschaftliche Benimmregeln sowie Höflichkeiten lernen Menschen relativ früh in ihrem Leben – jedenfalls erwartet das jeder Mensch von den anderen. Jähzornig angebrüllt zu werden gehört jedenfalls nicht dazu.

 

Mit ca. 25 km/ h fuhr ich am frühen Nachmittag des 09.08.18 mit meinem Leichtfahrzeug auf der Hamburger Straße auf der mit Tempo 30 beschränkten Verkehrsfläche im Baustellenbereich, als hinter mir jemand brüllte: „Mach, dass du auf den Gehweg kommst!“

 

Brauchte der Fahrer bzw. Beifahrer des Fahrzeugs XXXXX ein Ventil für seinen Frust? Wollte er mich durch sein Brüllen wegzaubern?

 

Weiß der Fahrer nicht, dass es Fahrzeugführern grundsätzlich verboten ist auf Gehwegen zu fahren? Davon abgesehen, wird seit einigen Wochen hier kräftig gebuddelt. Anfangs wurde dazu der gesamte Fahrzeugverkehr über den Gehweg geleitet. Momentan jedoch geben hier Bagger den Ton an. Die Pflicht, mit dem Fahrrad auf dem Gehweg zu fahren, wurde für die Bauphase aufgehoben und ein Schild, welches Radfahren auf der Fahrbahn erlaubt bzw. vorschreibt gibt es nicht. Braucht es auch nicht, denn die StVO schreibt vor, dass Fahrzeuge Fahrbahnen benutzen müssen. Einen Fahrbahnwechsel kann ich nur machen, wo keine Bordsteinkanten mich daran hindern. Dies ist in der Hamburger Str. im Einmündungsbereich H.-Schütz-Str. möglich. Der dort erneut beginnenden „Radwegbenutzungspflicht“ muss ich aber nur nachkommen, wenn der Weg benutzbar, zumutbar und in die Richtung führt, in die ich fahren will. Blockieren dort LKW, Transporter, Pkw, mobile Verkehrseinrichtungen, Schneeberge, Glatteis, Glasscherben, übermäßig viel Laub oder überhängende Rosenzweige meine Fahrbahn, muss ich den Weg nicht benutzen.

 

In der Regel ist es stillos, fremde Menschen einfach zu duzen. Dies kann auch als Ausdruck der Geringschätzung gewertet werden. Habe ich als Rad fahrender Mensch einen geringeren Wert als Autofahrer?

 

Von anderen Radfahrern höre ich die gleichen Vorkommnisse. Also ist mein Fall kein Einzelfall. Anstand und Menschenwürde bleiben anscheinend auf der Strecke. Ich will nicht dabei tatenlos zusehen und unterstütze deshalb den „Radentscheid Rostock“.

 

Hier können Sie Ihre Leserbriefe online aufgeben

Bitte beachten Sie, dass wir uns das Recht vorbehalten, im Falle des Abdruckens in der Zeitung, Textpassagen zu kürzen oder nachträglich zu ändern.