Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Go – Tradi – Go

01.09.2017, Kay Gottschewsky

Wie schön, dass sich viele Bürger unserer Stadt an der öffentlichen Diskussion über den Standort des Schiffbau- und Schifffahrtsmuseums so rege beteiligen. Zeugt es doch von gelebter Mitbestimmung. Allerdings sollte man sich bei öffentlichen Meinungsäußerungen möglichst an Tatsachen und Wahrheiten halten. Nicht immer scheint das zu gelingen. Wenn es um die Kosten der Verlegung geht muss auch die Frage erlaubt sein, welche Summen notwendig sind, um den Standort Schmarl so aufzuwerten, dass das Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum endlich aus seinem seit 2003 andauernden Schattendasein heraus geholt werden kann. In der vorliegenden Museumskonzeption von 2013 ist von einem landseitigen Museumsgebäude für rund 23 Millionen Euro zu lesen. Kosten für die Schaffung einer darüber hinaus notwendigen Infrastruktur wie Gastronomie, Parkplätze, Shoppingmeile und Hotels fehlen allerdings. Im Durchschnitt fanden im Zeitraum von 2012 bis 2016 etwa 34.000 Besucher das Museum in Schmarl. Für eine solche Einrichtung deutlich zu wenig. Die »Gorgh Fock I« in Stralsund bringt es locker auf ca. 50.000 Besucher im Jahr. Ist der rund eine Million Euro Jahreszuschuss aus dem städtischen Haushalt für das Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum bei diesen Besucherzahlen noch gerechtfertigt oder muss nicht auch darüber nachgedacht werden, wie der zu erwirtschaftende Eigenanteil spürbar erhöht werden kann? Bei allen Diskussionen um die Kosten und kleinlichen Bedenken vermisse ich das Bemühen, unabhängig von politischen und persönlichen Befindlichkeiten im Sinne und alleine zum Wohl des Schiffbau-und Schifffahrtsmuseum »den« Standort zu bestimmen, an dem es für Bürger und Touristen der Stadt am wirkungsvollsten präsentiert werden kann.

Das unabhängige Hamburger Institut für die Freizeitwirtschaft »fwi« hat im Auftrag der Stadtverwaltung eine Machbarkeitsstudie vorgelegt, die eindeutig den Standort Stadthafen für das Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum, eingebunden in eine maritime Meile mit einem Maritim Touristischen Zentrum favorisiert.

Natürlich kostet ein solches Projekt viel Geld. Allerdings wird davon ausgegangen, dass sich diese Investition von voraussichtlich 50 Millionen Euro innerhalb von drei Jahren amortisiert und das Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum danach auf öffentliche Zuschüsse weitestgehend verzichten kann. Einzuwerbende Fördergelder sollen die Ausgaben für die Stadt verringern. Im Stadthafen ist die notwendige Infrastruktur für eine solche Touristenattraktion bereits vorhanden. Fußläufig sind weitere Museen, Kirchen, Einkaufszentren, vielfältige gastronomische Einrichtungen und Hotels zu erreichen. Ein Synergieeffekt von großem Vorteil für alle Beteiligten. Endlich könnten auch der »Lange Heinrich« und das »Betonschiff« museal und touristisch vermarktet werden. Die Argumente, das Traditionsschiff wäre für den Stadthafen zu groß bzw. ein Schiff dieses Typs hätte noch »nie« im Stadthafen festgemacht entsprechen nicht den Tatsachen. Im Jahr 1977 lag das Schwesterschiff MS Freundschaft für mehrere Wochen im Stadthafen und sowohl die »Georg Büchner« , die Fähre »Trelleborg« und die »Stubnitz« haben die Sicht auf das Gehlsdorfer Ufer nicht negativ beeinflusst aber den maritimen Charakter des Stadthafens lebhaft unterstrichen und geprägt. Mit dem Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum im Stadthafen könnte sich Rostock ein für Bürger und Touristen sichtbares Erlebnis- und Freizeitzentrum schaffen und unser maritimes Erbe würdig präsentieren.

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