Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Glücklich und zufrieden?

04.04.2017, Hans Bremerkamp, Rostock

Immer mal wieder werden international Erhebungen durchgeführt, um herauszufinden, in welchen Ländern die Menschen weitgehend glücklich und zufrieden leben, und welche Länder da mehr oder weniger großen Bedarf haben, die Lebensumstände und – Bedingungen ihrer Bevölkerung zu verbessern. Die daraus abgeleitete Rangfolge ist sehr aufschlussreich. Deutschland hält sich ja a-priori für das leistungsstärkste und reichste Land in Europa und dazu noch als Sozialstaat höchsten Standards, mit zum großen Teil weitem Vorsprung vor vielen anderen. Aber, wie die Ergebnisse der oben erwähnten Erhebungen beweisen, gehören die in Deutschland lebenden Menschen nicht zu den besonders Glücklichen und Zufriedenen. In der Rangfolge befinden wir uns im schwachen Mittelfeld mit erheblichen Defiziten. Die vorderen Plätze belegen seit vielen Jahren die skandinavischen Nachbarn: Ziemlich dicht beieinander Norwegen, Finnland, Schweden und Dänemark. Wer mal in diesen sympathischen Ländern in Urlaub war, wird das erlebt haben und bestätigen können.

Ich denke, solche Erhebungen sollen uns nicht nur informieren, ihre Ergebnisse sollten vor allem die führenden politischen Kräfte der Länder anregen, ihre eigene Position und die der Spitzenländer zu analysieren, um herauszufinden, wo es im eigenen, ach so reichen Land hapert, wo die Hemmnisse liegen, die einen vorderen Platz in der Rangfolge verhindern. Von den führenden politischen Kräften im Lande darf der Bürger doch wohl erwarten, dass unter der gesamten Regierungsarbeit das Wohl und Wehe des Volkes einen hohen Stellenwert einnimmt. Genau und nur zu diesem Zweck haben wir Parlament und Regierung. Ein glückliches und zufriedenes Volk lässt sich sicher auch leichter regieren, weil Vertrauen herrscht. Man sagt ja, Erfahrungsaustausch ist die billigste Investition. Haben sich die so selbstbewussten deutschen Politiker mal die Mühe gemacht, bei den so bescheidenen und vielleicht gerade deshalb so erfolgreichen Skandinaviern in die Schule zu gehen? Ich bin überzeugt, dass sie dort noch so dies und jenes lernen könnten.

Wie man dagegen oft lesen und hören kann, bevorzugen es unsere Größen eher und mit Vorliebe, andere arrogant zu belehren und zur Einhaltung der Menschenrechte aufzufordern.

Das wichtigste Menschenrecht ist menschlich, glücklich und zufrieden leben zu können, ohne Krieg und Bedrohung.

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