Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Glaubwürdigkeit in der Politik

05.03.2018, Dr. H. Bomke, Schwerin

Wer etwas mehr über Glaubwürdigkeit in der Weltpolitik zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung erfahren will, dem sei das neue Buch des Pulitzerpreisträgers William Taubman »Gorbatschow, der Mann und seine Zeit« empfohlen. Etliches war mir vorher bekannt, doch manches Ungeheuerliche erst nach der Lektüre, besonders bezüglich der NATO-Ausdehnung bis zur russischen Staatsgrenze. Am 31.1.1990 drängte Gentscher öffentlich die NATO zu der Erklärung: »Was immer im Warschauer Pakt geschieht, eine Ausdehnung des NATO-Territoriums nach Osten, das heißt, näher an die Grenzen der Sowjetunion heran, wird es nicht geben.« Ebenfalls 1990 begrüßte US-Außenminister Baker ausdrücklich eine Garantie, dass »sich die militärische Zuständigkeit der NATO nicht einen Zoll weit in östlicher Richtung ausdehnen werde«. Oder, wie er ebenfalls formulierte, »die Wiedervereinigung Deutschlands nicht dazu führen werde, dass sich die militärische Organisation der NATO nach Osten ausdehne.« Nach Gorbatschows Zustimmung zur Wiedervereinigung fing dann US-Präsident Bush an, Bakers und Kohls Zusagen wieder zurückzunehmen. Bush zu Kohl: »Zur Hölle damit! Wir haben uns durchgesetzt, nicht sie. Wir können nicht zulassen, dass sich die Sowjets aus dem Keller der Niederlage den Sieg schnappen.« Im übrigen habe Westdeutschland »tiefe Taschen«. Ziel sei es, die Sowjets aus Ostdeutschland »hinaus zu schmieren«, wobei Westdeutschland das Schmiergeld bezahlen musste. Geld für Politik – so war es und so ist es bis heute.

Dr. H. Bomke, Schwerin

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