Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Gigantische Kleinigkeiten

09.01.2012, Hans Brandt, Banzkow

Noch im Mittelalter stritt sich die weltliche und geistliche Hierarchie, dass die Fetzen flogen, wem die Führung gebührt: dem Papst oder dem Kaiser. Sie verstehen sich bekanntlich längst glänzend. In unserer heutigen demokratischen Gesellschaft beäugen sich Politik und Medien in der ‚Regel respektvoll; denn einer braucht den anderen. Das kann aber auch zur Hassliebe geraten.

Und so sind die vereinten Medien von BILD bis ZDF mit dem deutschen Staatsoberhaupt ins Gerangel geraten. Dabei hat sich der Bundespräsident mehr als sehr naiv gezeigt, dem Chefredakteur von BILD etwas aufs Handy zu sprechen. Und ihm wurde postwendend schwer angekreidet, dass er die Medien bevormunden wolle.

Am Mittwoch hat er sich reuig gezeigt; Christian Wulf bedauerte in aller Öffentlichkeit seine schwere Missetat.

Und wir wissen nun ziemlich genau wie viel Druckerschwärze, Umfragen, Kommentare, Zeitungsseiten und Sendestunden diese sich beleidigt gebenden privatkapitalistischen Medien und »Öffentlich-rechtlichen Sender« mobilisieren können, wenn es um ihre Reputation geht. Denn die Kreditzinsen waren zu einer gigantischen Kleinigkeit aufgeblasen worden.

Man könnte ins Träumen geraten, wenn diese so streitbare Medienmacht mit ebensoviel Worten, Bildern und Druckzeilen sich der sozialen Ungerechtigkeit in unserem Land annehmen würde. Und wenn sie nur die Steuerhinterzieher ans Licht zerren würde und die Neonazis! Und wenn sie unsere Soldaten aus Afghanistan kurzfristig nach Hause schreiben und reden würde. – Sie könnte es, denn sie ist unabhängig - wie sie stets betont - aber sie hat natürlich auch Respekt vor der Politik.

 

Hier können Sie Ihre Leserbriefe online aufgeben

Bitte beachten Sie, dass wir uns das Recht vorbehalten, im Falle des Abdruckens in der Zeitung, Textpassagen zu kürzen oder nachträglich zu ändern.