Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Gemeinwohl aus den Fugen

05.01.2020, Hans Jürgen G., 18107 Rostock

Das Gemeinwohl ist aus den Fugen geraten – statt …. „ es gerät aus dem Blick“

 

In einer Tageszeitung (28./29.12.2019) fiel mir ein Beitrag von Stephan Richter ins Auge und ich las ihn mit großem Interesse. Gerade sein Inhalt stimmte mit einem mir erinnerlichen Zitat von Peter Hacks überein. Doch nur die Erscheinungen wurden, sicher aus verständlichen Gründen, dargestellt, nicht ihre Ursachen.

Nach dem Lesen des Zitats werden Leser wohl beistimmen oder vehement ablehnen. Jeder hat dazu seine Position.

"Diesem Land ist weggenommen worden ein schlechter Sozialismus und gegeben worden ein schlechter Kapitalismus. Die Schwierigkeit für Leute ist, ... dass der schlechteste Sozialismus immer noch besser ist als der beste Kapitalismus." Peter Hacks in Weißenseer Blätter 2/1993

Mit dem Begriff des Gemeinwohls hat der Schreiber des Beitrages natürlich den gesellschaftlichen Zusammenhalt der Bürger in Deutschland, 30 Jahre nach dem Zerfall des Sozialismus in Europa, im Blick. In einem Land, das seit seiner Gründung durch die kapitalistische Gesellschaftsordnung bestimmt wird. Dieser Staat hat sich ein Grundgesetz gegeben, das die Achtung der Würde des Menschen im ersten Verfassungsartikel zum Inhalt hat. Von sogenannten Volksparteien setzt sich das demokratische gewählte Bundesparlament zusammen. Ihre Abgeordneten sind die Vertreter dieser Parteien im Parlament, das über die Geschicke seiner Bürger bestimmt und auch die Regierung als Exekutive gewählt hat.

Wie es um die Achtung der Würde des Menschen in dieser gesellschaftlichen Ordnung bestellt ist, gibt die vorangestellte Meinungsumfrage, auf die sich der Verfasser des Beitrags bezieht. am deutlichsten eine klare Antwort. Nicht eine einzige der „Volksparteien“, nicht eine einzige der Kirchen, nicht die Regierung und das Parlament, nicht die eigentlichen Machthaber in dieser Ordnung, die „Arbeitgeber“ , nicht die Gewerkschaften, als die Vertreter der „Arbeitnehmer“, nicht die…. und ich könnte die Aufzählung fortsetzen, setzen sich in der Meinungsumfrage am stärksten für das Gemeinwohl ein, nein sie fehlen fast gänzlich – es sind die FEUERWEHR , das TECHNISCHE HILFSWERK, das DRK , die ohne Zweifel Lobenswerts im kleinsten Kreise leisten, die an der Spitze rangieren.

Ist es ein Wunder wenn der notwendige Zusammenhalt in der Gesellschaft fehlt, wenn das mutmachende Vertrauen der Bürger in die politische Führung nicht gegeben ist. In Deutschland ist nach Befund der Meinungsforscher das Vertrauen seiner Bürger in Staat und Regierung in den vergangenen Jahren „geradezu erdrutschartig gefallen“. Nur noch 45 % der Befragten glauben, daß die Handlungsfähigkeit des Staates gegeben ist. Zwei Drittel der Bevölkerung haben - nach Allensbacher- den Eindruck von „Führungslosigkeit und Planlosigkeit“.

Aus meinem täglichen Leben könnte ich mit Erscheinungen im Bildungs- und Gesundheitswesen beitragen, wie der Blick für das Gemeinwohl in einem erschreckenden Maße schwindet und das Geld und der Eigennutz zum bestimmenden Faktor werden. Wohin rudert diese Gesellschaft, die den Begriff Freiheit nicht oft genug als den Inbegriff ihres Seins hinausposaunt.

Natürlich hinken Vergleiche, doch der Kerngedanke aus diesem Zitat läßt mich zu der in der Überschrift genannten Einschätzung gelangen.

Hans Jürgen Grebin 29.12.2019

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