Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Gemeinsam handeln

09.05.2019, Brigitte Schneider, Warnemünde
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Leserbrief »Verrückte Zeit«"
im Rostocker Blitz vom 05.05.2019

Ein anonymer Leserbriefschreiber bzw. eine -schreiberin im BLITZ vom 5. Mai 2019 bezeichnet unsere Gegenwart als eine verrückte Zeit, in der die Ungerechtigkeit zunimmt. Damit hat er/sie auf jeden Fall Recht. Leider sind die Gründe dafür nicht »engstirnigdenkende, egoistische Menschen in führenden Positionen«, sondern sie liegen im Wesen der kapitalistischen Gesellschaft. Die Politiker werden als Mittel zum Zweck der Erhaltung des Systems benutzt. Deren Privilegien sind in Gesetzen festgeschrieben, die sie sich selbst gegeben haben und die durch das Kapital gestützt werden. »Geld regiert die Welt« ist mehr als ein banales geflügeltes Wort. Es ist eine Tatsache, dass das Erleben der positiven und schönen Seiten des Lebens, die Wahrnehmung der persönlichen Freiheit und die Teilhabe an der Demokratie nicht selten vom Inhalt des Geldbeutels abhängig sind. Als in den Novembertagen 1989 meine Studenten darüber heftig diskutierten, dass es in der DDR keine persönliche Freiheit gibt, weil sie nicht in die Welt reisen können, beendete ich die Debatte mit dem Hinweis, dass auch unter veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen ihre persönliche Freiheit nie größer sein wird als das Geld in ihrem Portmonee. Wenn ich heute Ehemalige treffe, sagen sie fast alle: »Sie hatten damals Recht, Frau Schneider.« Politiker so pauschal gleich zu beurteilen, wie es der oder die Schreiberin getan hat, führt auch nicht zu einer richtigen Erkenntnis der Ursachen für die »verrückte Welt«. Und man sollte auch nicht so leben und handeln, als könnte man selbst nichts am Dasein verändern. Wenn uns in diesen Tagen und Wochen vor den Europa- und Kommunalwahlen die Parteien und deren Kandidaten »das Blaue vom Himmel« versprechen, sind Zweifel angesagt. Ich glaube nicht, dass sie ihre Versprechen, für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen und insbesondere bezahlbare Wohnungen zu schaffen, realisieren werden. Dazu hatten die sogenannten »Volksparteien« in den vergangenen Jahren Zeit genug. Wirkliche Gerechtigkeit für alle kann es nur geben, wenn die Gesellschaft grundsätzlich verändert wird, wenn die Ursache der Ungerechtigkeiten beseitigt werden. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Karl Marx den Grundwiderspruch der kapitalistischen Gesellschaft richtig definiert hat, nämlich als Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, als Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privatkapitalistischer Aneignung. Soziale Ungerechtigkeiten, Armut und Reichtum, auch Krieg und Frieden sind damit zu erklären. Ein radikaler gesellschaftlicher Wechsel ist in absehbarer Zeit nicht möglich, aber wir sollten bei den nächsten Wahlen uns für die Partei und deren Politiker entscheiden, die unsere ungerechte Gesellschaft verändern wollen. Denn dafür braucht man uns alle!

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