Mecklenburger Blitz Verlag

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Geisternetze und ihre Gefahren

13.06.2018, Wolfgang Mengel, Stralsund

 

Am 12.06. war zum letzten Vortrag des Frühjahrssemesters der Seniorenakademie 55 plus Stralsund Dr. Th. Förster, Unterwasserarchäologe und Kurator des Meeresmuseums Stralsund, zu Gast. Er referierte vor den 74 Anwesenden zum Thema „Geisternetze – Tödliche Fallen im Meer“. Die von Dr. Förster genannten Zahlen müssen uns sehr nachdenklich machen. Bis zu 10 Mio Tonnen Müll werden jährlich in die Meere gespült, 75% davon sind Kunststoffe. Pro qkm Meeresoberfläche treiben bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlicher Größe. Mehr als 70% des Mülls sinken auf den Grund. Der Plastikabfall hat eine Zersetzungszeit von bis zu 100 Jahren! Schildkröten verwechseln transparente Plastikabfälle mit Quallen und gehen dabei elend zugrunde. Fischer verlieren jährlich in der Ostsee 5.000 bis 10.000 Netze und Netzteile, die für Fische, Meeressäuger und Vögel zu einer tödlichen Falle werden. Auch für Korallenriffe, historische Wracks und Sporttaucher sind sie sehr gefährlich. Mit Sonaren versucht man, Netze zu orten, um sie dann z.B. mit Netzharken zu bergen. Das Heben der Netze und deren Recycling sind äußerst aufwendig, energieintensiv und kostspielig. Die Netze bestehen aus einem Mix aus Polypropylen, Polyethylen, Polyamid und PET. Austretende Weichmacher vergiften das Wasser. Die Fische fressen die kleinsten Plastikteilchen, und so gelangen diese in die Nahrungskette und auch in unseren Magen.

Das Bild, das Dr. Förster hier zeichnete, muss aufrütteln. Letztlich ist der Mensch mit seiner gegenwärtigen Lebensweise selbst daran schuld. Allein nur durch die Geisternetze verlieren jährlich weltweit zwischen 57.000 und 135.000 Wale, Robben und Seehunde ihr Leben. Wenn die Menschen dieser Entwicklung nicht schnell und entschieden gegensteuern, verlieren wir nicht nur selbst eine wichtige Nahrungsgrundlage, sondern machen uns letztlich unseren eigenen Planeten kaputt. Die Zuhörer waren Dr. Förster für diese Aufklärung sehr dankbar, und jeder ging wohl mit dem Gedanken nach Hause, was er selbst für einen Schutz der Meere und seiner Bewohner tun kann.

Wolfgang Mengel, Seniorenakademie 55 plus

 

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