Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Friedrich von Hagenow - der Versuch einer Würdigung

31.03.2016, Wolfgang Mengel, Stralsund

Am 29.03.16 hielt Herr Volker Rösing, Bodendenkmalpfleger und Naturschutzwart auf der Insel Rügen, vor der Seniorenakademie 55 plus Stralsund einen Vortag zum Thema: "Das Leben und Wirken des Friedrich von Hagenow für die Insel Rügen". Der der Algemeinheit wohl relativ wenig bekannte von Hagenow wurde am 19.01.1797 auf Gut Lengenfelde geboren und starb am 18.10.1865 in Greifswald. Er wuchs als äußerst intelligentes Kind auf, begann schon mit 12 Jahren (!) ein Studium an der Uni Greifswald und belegte die Fachrichtungen Angewandte Mathematik, Mechanik, auf Wunsch des Vaters auch Landwirtschaft und Tierarzneikunde. 1815 ging er als Volontär auf das Gut Groß Schoritz (Rg.), um dort Landwirtschaft zu praktizieren. Pastor Bernhard Olivier Frank aus Bobbin weckte in ihm das Interesse für die Altertumswissenschaft. Zunächst beschäftigte er sich mit den Großsteingräbern bei Dumsevitz, ehe er systematisch alle Stein- und Hügelgräber auf Rügen erforschte und kartographierte. 1827 systematisierte er seine Ergebnisse, indem er z.B. die Gräber typisierte (8 Typen) und sie nach Größe, Form, Beschaffenheit, Baumaterial u.a. unterschied.

Ab 1823 ließ er sich in Loitz als Privatgelehrter nieder und entwickelte u.a. medizinische Geräte, z.B. 1850 den Aderlassschnäpper. Nebst der Paläontologie arbeitete Friedrich von Hagenow auch als Kartograph. Das Original einer ersten Karte von Rügen (1532) ist leider verschollen, und so erhielt er den Auftrag, eine Karte von Rügen und Neuvorpommern zu erstellen, den er 1828 mit der Rügenkarte im ersten Teil erfüllte. In seiner "Spezial Charte der Insel Rügen" kartierte er Hügel- und Steingräber, Opfersteine, Kirchen, Windmühlen, Schanzen, Burgwallanlagen, Ziegeleien u.a., und somit entstand die erste topographisch genaue Rügenkarte. Er verzeichnete auch die Standorte von Vitten (damals Räume, in denen die Fischer besonders in der Heringszeit den Fisch verarbeiteten), von denen noch heute Ortsnamen wie Vitte auf Hiddensee oder Vitt auf Rügen zeugen.

Friedrich von Hagenow war ein gütiger, bescheidener und mitteilsamer, aber auch durchsetzungsfähiger Mensch, der sein enormes, teils auch autodidaktisch angeeignetes Wissen nicht nur beruflich nutzte, sondern auch ehrenamtlich durch die Mitarbeit in 14 Gesellschaften weiter gab. Zwei Jahre vor seinem Tod erhielt er die königlich preußische Erlaubnis, seinen Namen auf "von Hagenow-Nielitz" zu erweitern. Sein Grab befindet sich in Gülzowshof.

Herrn Rösing danken wir herzlich für seinen Vortrag, den er mit vielen sehr interessanten Bildern illustrierte.

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