Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Friedensengel wirft Dynamitstange ins Pulverfass

06.01.2020, Haiko Hoffmann, Schwerin

Ein durchgeknallter Präsident befielt, einen iranischen und mit ihm gleich auch noch einen irakischen General und noch ein paar Leute als „Kollateralschaden“ extralegal zu killen. Selbst im eigenen Land wird das schon heftigst kritisiert und als Dynamitstange in ein Pulverfass geworfen bezeichnet. Nach diesem Terrorakt, denn nichts anderes ist es, wird eine Reaktion nicht ausbleiben. Es war glatter Mord. Der Durchgeknallte ist wie der Feuerwehrmann, der ein Feuer legt und dann „Feurio!“ ruft. Er braucht solchen Wahnsinn, um von seinen Problemen abzulenken. Diese Nachricht lässt Impeachment usw. ganz in den Hintergrund treten, wenn auch nicht ewig. … Man stelle sich mal vor, eine Rakete würde den US-Verteidigungsminister oder den FBI-Chef in Washington treffen. Das wäre dann ein Friedensakt zur Verhinderung eines Krieges? Die USA aber dürfen sowas tun? Mit welchem Recht?!

Und ist es nicht langsam überdeutlich, dass ausgerechnet diejenigen Kräfte, welche am erfolgreichsten den IS bekämpft hatten, von den USA fallengelassen, bekämpft oder ausgeschaltet werden? Es sieht aus, als soll der IS nicht beseitigt, sondern nur geschwächt, aber am Leben gehalten werden. Haben die USA unter Bush Senior nicht schon Kurden und Schiiten gegen Saddam Husain im Stich gelassen? Die Kurden in Syrien hatten zuletzt regional schon nahezu alles im Griff. Dann kam der plötzliche Rückzug der US-Truppen, welche nur noch Ölfelder schützen sollen (natürlich gänzlich uneigennützig). Und damit wurden die Kurden auch wegen des türkischen Einmarsches zusammen mit Extremisten in Syrien sehr geschwächt. Die Extremisten freut’s. Dann wird die Hizbullah angegriffen, welche ebenfalls sehr erfolgreich gegen den IS war. Von den USA und nahöstliche Mächte massiv unterstütze Aufständische wendeten sich als Reaktion auf einmal gegen die US-Botschaft. Der sofort ausgemachte Schuldige war natürlich der Iran – wer sonst? Dann der US-Raketeneinschlag in Baghdad als Friedensgruß. Der Iran und der Irak gerät in Aufruhr. Unlogisch? Der Iran droht mit Vergeltung, ohne Näheres zu benennen. Das irakische Parlament will alle ausländischen Truppen aus dem Land haben. Haben die USA vergessen, dass der Irak ein souveränes Land ist, wenn auch mit furchtbaren Problemen? Dürfen die Iraker nicht selbst entscheiden, was sie getan haben, ganz demokratisch? Sollen der Iran und der Irak stillhalten und den USA die Hand zum Frieden reichen? Sind diese, wenn sie es nicht tun, dann Terroristen? Haben sie den Terrorakt verübt? Hat Trump nicht schon verkündet, auch gegen bestimmte kulturelle (religiöse?) Ziele im Iran vorzugehen, falls der Iran reagiert? Warum sollte der Iran nicht reagieren nach einem solchen Mordanschlag? Dass eine solches Vorhaben Trumps gegen internationales Kriegsrecht verstößt, wird natürlich geleugnet. Es zeigt auch, welche Haltung er zur Kultur des Iran hat, welche überaus reich und sehr alt ist. Es geht hier offenbar um Demütigung und Zerstörung kultureller Identität eines ganzen Volkes, einer ganzen Nation. Und das wäre ein weiteres Verbrechen. Dieser Terroranaschlag ist schon dabei, alles in der gesamten Region zu verändern. Und nicht der Iran war es, der die Dynamitstange ins Pulverfass geworfen hat. Nicht der Iran hat das Atomabkommen aufgekündigt. Der Iran hat bis heute keine einzige Atombombe und baut auch noch immer keine. Die USA haben ein riesiges Arsenal davon und belügen die Welt bis heute hinsichtlich Iran. Sämtliche Ereignisse gehen auf Aktivitäten der USA zurück, um den Iran zu destabilisieren. Und wenn dann der Iran nach fast endloser Geduld und Kompromissbereitschaft Reaktionen zeigt …, dann ist der Teufel los. Dann ist Iran wieder das Rech des Bösen. Schade nur, dass viele das immer noch glauben.

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