Mecklenburger Blitz Verlag

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Fragwürdige MDK-Qualitätsüberprüfungen

16.05.2013, Reiner Luchterhand, Weisin

In der Gastkolumne vom 12. Mai setzt sich der Bundestagsabgeordnete Herr Dr. Terpe u.a. für gut qualifizierte Pflegekräfte ein und verweist auch auf die schon etliche Jahre währende Diskussion über neue zeitgerechte Kriterien für die Pflegebedürftigkeit. Das sind zwei durchaus berechtigte Aspekte. Ebenso wichtig erscheint mir aber auch eine generelle Neufassung der Bewertung ambulanter Pflegedienste durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Immer wieder wird von allen Seiten betont, dass eine gute Pflege auch Geld kostet, auch mein Geld als Versicherter. Die Bewertung, ob ein Pflegedient für dieses Geld auch eine gute Pflege gewährleistet, obliegt dem MDK. Er bewertet den Pflegedient in drei Qualitätsbereichen anhand von 37 Einzelkriterien mit einer Gesamtnote und veröffentlicht das Ergebnis im Internet unter www.pflegelotse.de. Die Ergebnisse der Überprüfungen sind oftmals trügerisch und spiegelten in keiner Weise die Realität wieder.

So wurde am 12. Februar der ambulante Pflegedienst S. aus Karbow-Vietlübbe, im Straßenbild bekannt durch seine Fahrzeuge mit dem Logo: »Pflege auf höchstem Niveau« vom MDK überprüft und mit der Höchstnote »sehr gut« bewertet. Dieses Ergebnis wirft bei mir Fragen an den MDK auf und kann so nicht als eine sachgerechte und umfassende Überprüfung akzeptiert werden.

Wie können insgesamt nur vier Pflegefachkräfte (die Pflegedienstleitung schon mit eingerechnet) 95 Kunden in mehreren weit auseinander liegenden Ortschaften (eine Tour in einer Schicht bis zu 320 km) sowohl in der Früh- als auch in der Spätschicht so pflegen, dass die Gesamtnote sehr gut erreicht wird. Diese Leistungen werden täglich von den nur vier vorhandenen Pflegfachkräften des Pflegedienstes S. erbracht und vom MDK mit sehr gut bewertet.

Wenn das eine reale Bewertung ist, erübrigt sich der Ruf nach mehr und besser ausgebildeten Pflegefachkräften. Der Pflegedienst S. hat bewiesen, dass mit nur vier Fachkräften 95 Kunden auf höchstem Niveau gepflegt werden können. Hier sind wohl Zweifel und Misstrauen gegenüber der Bewertung durch den MDK mehr als angebracht. Die Zweifel an der Objektivität des Ergebnisses verstärken sich, weil nur fünf pflegebedürftige Personen überprüft bzw. befragt wurden, das sind mal gerade etwas mehr als fünf Prozent der betreuten Kunden. Reicht es tatsächlich für die Note sehr gut im Bereich »Ärztlich verordnete pflegerische Leistungen« aus, wenn u.a. bei zwei Personen sachgerecht mit Kompressionsstrümpfen umgegangen und bei einer Person eine aktive Kommunikation mit dem Arzt nachvollziehbar ist?

Der Bereich: »Pflegerische Leistungen« wird anhand von 17 Kriterien bewertet. Beim Pflegedienst S. wurden davon lediglich nur drei bewertet. Reicht das für die Note sehr gut wirklich aus?

Ist ein Pflegedienst wirklich sehr gut, wenn in einem Zeitraum von sieben Monaten acht examinierte Kräfte den Pflegedienst verlassen. Ist der Pflegedienst wirklich sehr gut, wenn der Patient fast wöchentlich durch neue Mitarbeiter aufgesucht wird. Wie kann sich dabei ein Vertrauensverhältnis entwickeln? Aus meiner Sicht besteht beim MDK ein absoluter Handlungsbedarf, um tatsächlich fundierte und belastbare Bewertungen von ambulanten Pflegediensten zu ermöglichen. Das ist er den Versicherten schuldig, die sich bei der Auswahl von Pflegediensten auf sein Urteil stützen und dabei an einen Pflegedienst geraten können, bei dem der Profit und nicht der Patient im Fokus der Tätigkeit steht.

Reiner Luchterhand, Weisin

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