Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Fragen über Fragen

12.11.2012, Jürgen M., Baden-Württemberg

Mein Name ist der Redaktion bekannt, seit vier Jahren bin ich in Baden-Württemberg zuhause. Davor lebte ich 36 Jahre in Schwerin. Aus alter Verbundenheit und Interesse am Geschehen in Schwerin und M/V lese ich regelmäßig die Onlineausgaben der Tages- und Wochenzeitungen der Schweriner Region. So auch am 25.10.2012 die Onlineausgabe der "SVZ" und hier konkret den Artikel "Strandkorb im Wald - Rangern gefällt dies nicht" (http://www.svz.de/nachrichten/home/top-thema/artikel/strandkorb-im-wald-rangern-gefaellt-das-nicht.html). Dieses Thema interessierte mich besonders, da ich selbst viele Jahre in einer Schweriner Werbeagentur arbeitete und auch hin und wieder mit dem Landesmarketing beschäftigt war. Schon früher ärgerte mich und viele andere Brancheninsider die Tatsache, dass speziell Kampagnen für und um dieses Land Mecklenburg-Vorpommern und damit auch Steuergelder des Landes M/V an Agenturen vergeben werden, welche ihren Sitz nicht in M/V haben. In o.g. Artikel las ich, dass sich bis heute daran nichts geändert hat. Die aktuelle Kampagne des Landes Mecklenburg-Vorpommern wird von einer Hamburger Agentur namens Molthan von Loon realisiert. In Auftrag gegeben durch die Staatskanzlei des Landes Mecklenburg-Vorpommern, verantwortet durch den Leiter Landesmarketing M/V, Herrn Peter Kranz-Glatigny. Dieser Name war mir unbekannt und ich recherchierte ein wenig. Fand die private Homepage des Peter Kranz (http://www.peterkranz.com/) und hier eine, wie ich finde, hochinteressante Bilderserie über die Hochzeit von Herrn Kranz. Eine sehr private Zeremonie und Feier. Die Bilderserie ist betitelt mit "Familie und Freunde kamen zu unserer Hochzeit nach Schwerin". Auf einem der Fotos zu sehen: Die Geschäftsführung der Hamburger Agentur Molthan von Loos.... Aha, Familie und Freunde ... In Baden-Württemberg nennt man so etwas "es hat ein Geschmäckle".

Daraufhin verfasste ich unter meinem Pseudonym "Hans Wurst" den folgenden Kommentar auf der weiter oben genannten Onlineseite der "SVZ":

 

Zunächst seien mir einige Anmerkungen zur aktuellen Kampagne des Landes M/V erlaubt. Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Kampagne mal wieder und wiederholt nicht den Kern trifft. Auch der Aufbau beweist keinerlei Mut zum und für das Land: Headline, Foto, Copy... Langweilig. Die Fotos (abgesehen vom Schwarmfischbecken, dies ist wirklich gut) sind einfach nur öde und beliebig für jedes Bundesland austauschbar. Oder stehen am Müggelsee z.B. keine Strandkörbe? Gibt es in Thüringen keine Buchenwälder, in Bayern keine Universitäten oder im Schwarzwald keine Windräder? Ist ein Strandkorb im Theater landestypisch??? Warum wieder massig Geld für ein derart lustlos inszeniertes Projekt? Und warum wieder eine Hamburger Agentur? Warum ist eine Staatskanzlei des Landes Mecklenburg-Vorpommern nicht in der Lage, Agenturen aus dem eigenen Bundesland einzubinden? Liegt es vielleicht daran, dass auf der privaten Homepage von Peter Kranz-Glatigny (http://www.peterkranz.com/) Fotos zu sehen sind, auf welchen die Geschäftsleitung der beauftragten Hamburger Agentur Molthan van Loon an der doch höchst privaten Hochzeitsfeier des Peter Kranz teilnimmt? Fragen über Fragen und letztendlich die Feststellung: Dieses Land wird niemals klug. Deswegen ging ich nach Baden-Württemberg. Und arbeite dort in Marketing und Werbung. Denn: "Wir können alles. Außer hochdeutsch". Das hat Mut, Witz und Charakter. Aber vielleicht lernt es auch Mecklenburg-Vorpommern noch. Wobei ich die Hoffnung aufgegeben habe ....

 

Dieser Kommentar wurde seitens der Onlineredaktion der "SVZ" nicht veröffentlicht. Am 26.10.2012 stellte ich den Kommentar nochmals ein. Er war wohl max. 2 Minuten online, dann wieder verschwunden. Im Gegenzug erhielt ich folgende Mail vom Stellvertretenden Chefredakteur der SVZ, Herrn Stefan Koslik:

 

Sehr geehrter anonymer User,

 

sie befinden sich auf der Website der SVZ, für die die SVZ die presserechtliche Verantwortung trägt. Wir werden ihre Anwürfe, Beleidigungen und Behauptungen nicht verbreiten. Sollten Sie davon nicht absehen, müssen wir die Angelegenheit unseren Rechtsanwälten übergeben. Teilen Sie uns dazu bitte ihren Namen mit, was sie bislang tunlichst vermeiden. Bitte unterlassen Sie ihre Kommentare.

 

Mit freundlichen Grüßen

Max-Stefan Koslik

 

Stellv. Chefredakteur

 

 

Mit dieser Mail bekam die ganze Geschichte für mich etwas mehr als "ein Geschmäckle". Die Zensur meines oben erwähnten Kommentars, die Androhung rechtsanwaltlicher Maßnahmen und die Aufforderung zur Unterlassung weiterer Kommentare sind für mich ein massiver Eingriff in mein demokratisch legitimiertes Recht der Meinungsfreiheit (eine Beschwerde beim Deutschen Presserat liegt vor). Warum das Ganze? Was soll hier vertuscht werden? Das ist, so denke ich, die eigentlich wesentliche Frage.

Nur nebenbei, selbstverständlich antwortete ich Herrn Koslik auf seine Mail, mit meinem Klarname und der Adresse:

 

Sehr geehrter Herr Koslik,

 

vielen Dank für Ihre hochinteressante Antwort. Offensichtlich ist Ihnen mein Kommentar zu Ihrem am gestrigen Tage in der Onlineausgabe der "SVZ" veröffentlichten Beitrag "Strandkorb im Wald - Rangern gefällt das nicht" unbekannt. Daher erlaube ich mir, diesen hier und zu Ihrer Kenntnisnahme einfach nochmal einzufügen:

 

(siehe oben)

 

In diesem meinem Kommentar ist weder ein Anwurf noch eine Beleidigung oder Behauptung zu finden. Der erste Teil des Kommentares ist eine qualitative Einschätzung der Marketingkampagne des Landes M/V. Diese kann man teilen oder auch nicht. Im zweiten Teil des Kommentars werden (mithin berechtige) Fragen gestellt. Nicht mehr und nicht weniger. Und werden selbst berechtigte Fragen Ihrerseits nicht zugelassen, im Gegenteil mit Anwälten gedroht, hat dies absolut nichts mehr mit journalistischer Sorgfalt oder presserechtlicher Verantwortung zu tun, sondern einfach nur noch mit Zensur.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Jürgen M

 

 

Noch merkwürdiger werden die vorab geschilderten Vorgänge dadurch, dass genau zwei Tage später die erwähnte private Homepage des Leiters Landesmarketing M/V, Herrn Peter Kranz, mit den eventuell "verfänglichen" Fotos nicht mehr erreichbar war bzw. sich in "Überarbeitung" befand. Und dies bis heute ist. Alles Zufall?

 

Abschließend sei bemerkt, dass ich keinerlei persönliches Interesse an den Geschehnissen in und um die Staatskanzlei und deren Auftragnehmer habe. Nicht mehr. Und darüber bin ich froh. Auch Herr Kranz ist mir persönlich völlig unbekannt. Es geht nicht um Personen, sondern einfach mal wieder um EVENTUELLE Vetternwirtschaft, die EVENTUELLE mediale Verknüpfung mit dieser und natürlich auch um die Beschneidung demokratischer Grundrechte durch die SVZ.

 

Mit freundlichen Grüße aus Baden-Württemberg

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