Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Forscher und Humanist Carl-Ludwig Schleich

08.05.2019, Wolfgang Mengel, Stralsund

Dr. Sabine Koburger folgte einer zweiten Einladung unserer Akademie und hatte Carl-Ludwig-Schleich (geb. 1859 in Stettin, gest. 1922 in Bad Saarow) im Gepäck, dessen Leben mit Stralsund verbunden war. Ihm zu Ehren gibt es in Knieper-Nord eine nach ihm benannte Straße. Am Sundischen Gymnasium (Katharinenkloster) legte er 1879 sein Abitur ab. Sein Vater schickte ihn zum Medizinstudium nach Zürich, das er aus studentischem Übermut vernachlässigte und dem er erst in Greifswald und Berlin ernsthaft nachkam. Schleich wurde 1887 in Greifswald promoviert. Sein großes medizinisches Verdienst besteht in der Entwicklung und Perfektionierung der Infiltrationsanästhesie, was wir heute mit Lokalanästhesie bezeichnen. Auf dem Chirurgenkongress 1892 in Berlin blieb ihm die Anerkennung seiner Methode versagt, leider erfuhr er auch bis zu seinem Lebensende keine diesbezügliche öffentliche Anerkennung. 1903 wurde Schleich zum Professor ernannt und mit dem Titel „Geheimrat“ geehrt, hat jedoch niemals eine Lehrtätigkeit ausgeübt. Nach seines Vaters Tod befasste sich Schleich mehr mit Musik, Philosophie, Dichtung und Literatur, mit A. Strindberg und R. Dehmel saß er in Berlin in der berühmt-berüchtigten Weinstube „Das schwarzen Ferkel“ und philosophierte mit ihnen u.a. über die Berliner Bohe`me. Der Verleger Ernst Rowohlt zählte ebenfalls zu seinen Freunden, in der verlagseigenen Zeitschrift „Tage-Buch“ erschienen ab 1920 Aufsätze über seine biographischen Stationen, die letztlich im Buch „Besonnte Vergangenheit“ ( vier Mio. Auflage und noch heute erhältlich) veröffentlicht wurden.

Dr. Koburger hat mit Unterstützung ihres Ehemannes (er verlas die Leseproben) uns allen einen äußerst interessanten Vortrag gehalten, der deutlich machte, welch großer Mediziner, Forscher und Humanist hier in Stralsund seinen Bildungsweg begann. Die 105 Anwesenden dankten beiden mit herzlichem Beifall.

 

 

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