Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Eskalation am Schacht

17.07.2012, Anonym, Borrentin (Name dem Verlag bekannt)

Eskalation im Schacht

 

Heute, 17. Juli 2012 um 16:10 Uhr, Ortstermin, kleines Dorf in Vorpommern.

Komme gerade zurück und muss einfach mal so mich schreibentspannen.

Kaum zu glauben, was so abgeht, hier, am a.d.W.

Denkste, bist im wilden Westen.

 

Da mauert der Eine dem Anderen den Ablauf der Klärgrube zu.

Einfach so, ohne jegliches Wort.

 

Was war passiert?

Vor langer Zeit hatte der Andere ein altes Haus von der Gemeinde gekauft.

Das Haus war davor benutzt und so auch mit dem Überlauf der zugehörigen Klärgrube am nebenliegenden Schacht der Gemeinde zum Auslauf übers Hinterland angeschlossen.

 

Der Eine hat nun auch ein Haus, das ist genau daneben an der Strasse.

Und er leitet auch sein Überlaufwasser in den Schacht ein.

Einträglich floss also das Scheissewasser-light viele Jahre gemütlich hinfort.

 

Hinfort über oder besser unter Gemeindeland bis an einen Bach.

Oder den Rest eines Baches. Die Begriffsgrenzen sind wohl variabel.

 

Eines Tages hat nun der Eine wohl von der Gemeinde einen Teil

des unterflossenen Gemeindelandes erlangt.

 

Der Andere hat`s bis heute so nicht gewusst,

der Eine hat`s bis heute so nich` gesagt.

 

Leitungsrecht oder Nutzungssicherung

scheinen dabei interstellare Begriffe zu sein.

Überhaupt: das heute erlebte soziale Niveau

scheint sich so bei Minus 100 zu bewegen.

 

Aber weiter:

Nun hat der Eine wohl vor einem halben Jahr

sich eine neue Kläranlage geschaffen.

Lobenswert.

Und leitet wieder gemütlich durchs gleiche Rohr

in den kollektiven Restverbringungsschacht ein.

Warum auch nicht ?

 

Der Andere leitet wohl seit dem nicht mehr ein.

Jedenfalls läuft das WC im Haus nicht mehr ab.

Seit so 14 Tagen.

Warum nun das?

 

 

 

 

Der Andere hat sich das gefragt und dann im Schacht nachgesehen:

Weil das Einlaufrohr seines Überlaufablaufes zugemauert ist.

 

Wer hat`s gemacht?

Der Eine, hat er heute gesagt.

Weil er sein Scheissewasser-doppel-light

nicht zusammen mit dem Scheissewasser-nur-light

im alten Rohr abfliessen wissen möchte,

hat er gesagt. Heute.

Weil er seine neue Anlage nicht nutzen kann,

wenn dem Anderen sein Scheissewasser-nur-light mit bei ist,

hat er gesagt. Heute.

Weil seine Hühner, die beim Auslauf grasen

neuerdings Eier legen, die nach Scheisse schmecken,

hat er gesagt. Heute.

 

Und ein Würdenträger der Gemeinde schien diesem Disput

unparteilich kaum gewachsen.

 

Jedenfalls gemeindliches Deeskalieren Fehlanzeige, schien mir.

Ach ja: der Andere könne ja einfach abpumpen lassen,

machen ja viele Menschen auch so.

Das war so der unparteiliche Rat, habe ich gehört.

 

Der Eine war bereits durch die Hecke zurück auf seinem Hof,

der Würdenträger dann auch durch die Hecke hinterher.

 

 

 

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