Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

"Es war einmal..."

04.06.2016, Rudolf Hubert, Schwerin
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Oh Gott, wieder ein Aufklärungswort! vom 30.05.2016 Dr. habil. Klaus Wirth, Schwerin"
im Schweriner Blitz vom

„Es war ein einmal…“

„Es war einmal“, so fangen i.d.R. Märchen an. Man könnte auch geschichtlich argumentieren: Es war einmal – hier bei uns – eine Staatsform, da wurde man, wenn man nicht die „einzig wissenschaftliche Weltanschauung“ teilte, entweder gemaßregelt oder zynisch mit Spott bedacht. Nun, das mit der Maßregelung geht so nicht mehr. Bleibt noch der Zynismus. Ich geb‘ zu, dass es mich mitunter reizt, „mit gleicher Münze zurück zu zahlen“. Doch um der Sache willen versage ich mir dieses Vergnügen. Zur „Aufklärung“ darum hier nur so viel: Es handelt sich bei der Überschrift meines Leserbriefes lediglich um ein Zitat aus einem Leserbrief, auf den ich antworte. Und im Text meines Leserbriefes wiederhole ich hierzu nur das, was jener Leserbriefschreiber unter dem „Rat der Götter“ verstand, auf den ich mich in meiner Antwort bezog. „Lasst die Toten ruhen…“.Ja, warum eigentlich nicht? Gegenfrage: Warum hinterließ uns Brecht seinerzeit das warnende Wort: „Der Schoß ist fruchtbar noch…“? Das Wort von Brecht kommt mir in den Sinn, wenn ich lese, wie Lenin zitiert wird: „dass die Diktatur des Proletariats eine besondere Form des dynamischen Klassenbündnisses der Arbeiterklasse mit anderen Schichten der Werktätigen...“ sei. Und wenn gleichzeitig verschwiegen wird, dass diese „Form des dynamischen Klassenbündnisses“ sämtliche bürgerliche Freiheiten lächerlich machte, sie als ‚bürgerlich‘ abqualifizierte - und sie ‚liquidierte‘! Darum geht es. Es würde hier zu weit führen, auch noch darauf einzugehen, welche Rolle Gewalt in diesem Prozess spielte und wie deren Anwendung „vom Klassenstandpunkt“ aus seinerzeit gerechtfertigt wurde. Über Freiheit lässt sich in der Tat trefflich streiten. Das geht heute. Es gab eine Zeit, da ging es nicht! Zur ‚Weisheit‘ des letzten Satzes im Leserbrief: „Auch der Einige Gott kann dies aus Mangel an realer Existenz nicht lösen“ nur noch dies: Er ist als Behauptung ohne Begründung irrelevant wie Lenins Definition der Materie aus demselben Grunde unsinnig ist.

Rudolf Hubert

19055 Schwerin

Jahnstr.13

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