Mecklenburger Blitz Verlag

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Ernährung für 10 Milliarden?

07.02.2018, Wolfgang Mengel, Stralsund

Die Seniorenakademie 55 Plus Stralsund lud Tilmann Langner vom Umweltbüro Nord e.V. ein, der den 92 Teilnehmern im Löwenschen Saal mit dem Film „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?!“ einen sehr interessanten Film zeigte, der viele Fragen aufwarf und sehr nachdenklich machte. Das Thema ist insofern brisant, da damit zu rechnen ist, dass Mitte des Jahrhunderts die o.g. Bevölkerungszahl erreicht wird. Noch schafft es unser Planet, aber wenn die noch vorhandenen Ressourcen mit den derzeitigen Praktiken industrieller Landwirtschaft und Massentierhaltung weiterhin so ausgebeutet werden, wird es schnell sehr knapp. Ein großes Problem ist die zunehmende Konzentration der Produktion von Saatgut, Düngemitteln u.a. in den Händen weniger Konzerne, was große Abhängigkeiten verursacht. Genmanipulierte Pflanzen bringen keine höheren Erträge, mit Hybridsaatgut ist die Produktion zwar um 20% zu steigern, jedoch ist es (z.B. bei Reis) nicht flutresistent und muss immer wieder teuer neu angeschafft werden. Die Vorräte an Kali- und Phosphatdünger gehen merklich zu Ende, Stickstoffdünger kann nur sehr energieintensiv hergestellt werden. Der Bedarf an Fleisch steigt, damit auch der der notwendigen Futtermittel, und Sojaerzeugnisse müssen in großen Mengen aus Übersee bezogen werden. Fischmehl wird wegen der Überfischung der Weltmeere auch immer knapper. Aber nur das ermöglicht eine Massentierhaltung mit allen uns bekannten Problemen (Seuchen, Keulen u.s.w.). Mögliche Lösungswege sind; Pflanzenfabriken ohne Nutzung von Erde (z.B. in Japan), künstliche Fischzucht bis hin zum Laborfleisch, aber alles sehr teuer. Das probateste Mittel sei die kleinbäuerliche Nutzungsform, weil intensiv und damit ertragreich. Das setzt jedoch voraus, dass die globale Abhängigkeit von den Großkonzernen beseitigt wird. In den USA gibt es mit dem Kreislauf Pflanze-Fisch hoffnungsvolle Erfahrungen, und auch die sog. „solidarische Landwirtschaft“ (ein Bauer leitet den Hof und viele aus dem Umfeld helfen mit) könnte ein gangbarer Ausweg sein. Herzlichen Dank dem Referenten für den aufrüttelnden Film, der die weltweite Problematik sehr deutlich aufgezeigt hat.

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