Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

"Erlebnis" Straßenbahn

03.11.2015, Irmengard Bönning, Rostock

Die junge Frau (Anfang bis Mitte 20), die in die Straßenbahn einstieg, machte eigentlich einen vernünftigen Eindruck. Eine Zweisitzerbank war frei und sie nahm mit ihrer Tasche Platz. Die Bahn fuhr los. Die junge Frau holte ihr Handy raus. Sie teilte ihrem Gesprächspartner mit, dass sie sich aus irgendwelchen Gründen verspäten würde und und und ... und alle Fahrgäste mussten nun mit anhören, was sie gar nicht wissen wollten, aber dennoch gezwungen waren, das Gespräch mit zu verfolgen. Danach holte sie eine große Flasche Saft aus ihrer Tasche. Sie setzte sich quer, um die gegenüber sitzende ältere Dame beim Trinken nicht im Gesicht zu treffen und nahm ungeniert mehrere kräftige Schlucke. Die Flasche wanderte danach wieder zurück in die Tasche und das Handy kam erneut »ins Spiel«. Sie traf eine Absprache mit irgendjemandem und war des Lobes voll wegen dieses und jenes Termins, der ja so passend für die Anruferin, aber so völlig unpassend für die Fahrgäste war. Noch während des Gesprächs kramte sie in ihrer Tasche und holte ein Notizbuch heraus, um die offensichtlich mitgeteilten Termine einzutragen ...

Was danach geschah, können nur die Fahrgäste erzählen, die mit der jungen Frau weiterfuhren. Ich musste aussteigen. Aber bis heute bewegt mich die Frage, ob wir das Wort »Kinderstube« aus unserem Wortschatz gestrichen oder aber seinen Inhalt vergessen haben.

Hier können Sie Ihre Leserbriefe online aufgeben

Bitte beachten Sie, dass wir uns das Recht vorbehalten, im Falle des Abdruckens in der Zeitung, Textpassagen zu kürzen oder nachträglich zu ändern.