Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Enttäuscht

17.04.2015, Brigitte Schneider, Warnemünde

Mit großer Freude hatte ich in den Medien gehört und gelesen, dass die Landesregierung in MV eine Ehrenamtsstiftung einrichten will, die bereits am 1. Juni 2015 starten soll. Als »gelernte Ehrenamtlerin« war ich neugierig darauf, was nun alles für die Unterstützung derer mehr getan werden sollte, die »unser Land bereichern und dazu beitragen, es lebens- und liebenswert zu halten«. (Zitat aus einem Brief eines ehemaligen Ministerpräsidenten an mich.)

Nun hatte ich Gelegenheit auf einer Veranstaltung mehr über die Stiftung zu erfahren. Von meiner Freude über diese geplante Einrichtung blieb nicht viel übrig. Viele anwesende gestandene Ehrenamtler waren ebenso enttäuscht wie ich und sparten nicht mit Kritik als sie über die Aufgaben und Inhalte dieser Stiftung informiert wurden. Das Geld kommt nicht von reichen und wohltätigen Sponsoren, sondern es wird aus dem Haushalt des Landes bereit gestellt. Dazu wird ein »Amt« mit sieben bis acht hauptamtlichen Mitarbeitern geschaffen.Zu deren Aufgaben es gehört, finanzielle Fördermittel auszureichen, Schulungen der ehrenamtlich Tätigen zu organisieren, diese und die Vereine und Verbände miteinander zu vernetzen, Infomaterialien zu erstellen und zu verbreiten, Beratungen zum Ehrenamt und zur Vereinsarbeit durchzuführen, Unterstützung bei Vereinsgründungen zu geben usw. Wissen unsere Politiker nicht, in welcher hohen Qualität die Vereine und Verbände o.g. Aufgaben selbst erledigen? Auch kleinere Selbsthilfegruppen, die keinen übergeordneten Landes- oder Bundesverband haben, werden über die Selbsthilfekontaktstellen angeleitet und beraten. Welche konkreten Verbesserungen und welche Hilfe die ehrenamtlich aktiven Bürger in und für ihre Arbeit durch die Stiftung erhalten, das war nicht erkennbar, obwohl es »Ehrenamtsstiftung« heißt. Die Politik muss gesetzlich geregelte Rahmenbedingungen für Menschen im Ehrenamt auf den Weg bringen wie z.B. Versicherungsschutz, Aufwandsentschädigungen für Zeit und private finanzielle Belastungen, für Ehrungen und Auszeichnungen, für die Inanspruchnahme von Vergünstigungen mit einer einheitlichen Ehrenamts Card. Eine finanziell geförderte Erholungsreise für langjährige und erfolgreiche ehrenamtliche Arbeit wäre doch auch eine gute Sache. Ich nahm an, dass nun endlich konkret die teils gelobten, aber oft gar nicht vorhandenen und immer wieder geforderten Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement über die Stiftung gestaltet werden. Viele Vereine und Verbände sind bemüht, ihren Helfern auch finanzielle Anerkennung zu geben, aber es fehlt ihnen das Geld. Wenn das zusätzlich zur Verfügung gestellte Geld unmittelbar und direkt an die Vereine und Verbände bzw. Institutionen geht, in denen Ehrenamtler wichtige soziale, kulturelle und andere gesellschaftlich nützliche Projekte begleiten oder umsetzen, dann braucht die Stiftung kein solches personal- und finanzaufwendiges Verwaltungsorgan.Die Ehrenamtler selbst wollen für sich kein Geld, aber mehr für das, was durch ihre Arbeit bewegt, verändert oder erhalten wird.

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