Mecklenburger Blitz Verlag

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Englisches Gedudel

04.01.2016, Hartwig Wischendorf, Schwerin

Der NDR bietet seinen Hörern nach eigenen Angaben musikalisch den »Lieblingsmix«. Meinen Vorstellungen entspricht der Sender damit nicht und etlichen anderen geht das »englische Gedudel« offenbar auch gehörig auf die Nerven, wie man einigen Leserbeiträgen entnehmen konnte. Der Anteil deutscher Interpreten ist überschaubar und dementsprechend oft gibt es Wiederholungen: Nenas »99 Luftballons« zum soundsovielten Male, unzählige Male auch die ungeklärten Fragen von Herrn Grönemeier »wann ist ein Mann ein Mann?« oder »womit hab ich das verdient?« Womit haben wir das verdient? Das möchte man den Sender fragen. Sicher wird man sich in den Redaktionen etwas dabei gedacht haben. Nur, was? Besonders merkwürdig wird es, wenn sogenannte Oldies erklingen. Hits, die damals wochenlang Spitzenreiter in den Hitparaden waren, werden nicht gesendet. Ganze Jahrgänge werden ausgeblendet und existieren für den Sender nicht. Die musikalische Vielfalt bis hin zur Klassik gibt es nicht mehr. Wer Klassik hören will und sei es auch nur ein Walzer oder ein Chanson, muss den CD-Spieler einschalten oder den Sender wechseln. Diese Trennung mag ja noch halbwegs einleuchten. Doch auch hier wird man enttäuscht. NDR Kultur serviert Klassik nur häppchenweise. Offensichtlich hält man die Hörer für kulturell unterentwickelte Wesen, denen ein Klavierkonzert in voller Länge nicht zugemutet werden kann. Das ist schade. Man fragt sich, wen möchte der NDR mit dieser Programmgestaltung ansprechen?

Hartwig Wischendorf, Schwerin

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