Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Einseitige Musik

18.01.2016, Karl Bachmann, Schwerin

Das bedeutet, eine Seite wird überproportional bedient. Hier im Musikprogramm des öffentlich rechtlichen Senders NDR1-Radio MV. Vorweg und grundsätzlich: Die überwiegende Anzahl der Bundesbürger, wie auch der Mecklenburger und Vorpommern, sind keine Engländer sondern Deutsche. Deutsch ist die Umgangssprache und Amtssprache. Seit Frau Haferburg die Direktion des Senders von Herrn Schneider (kürzlich ausgezeichnet mit dem Landesverdienstorden MV) übernommen hat, erfolgte sofort ein Paradigmenwechsel: Zuerst wurde der Slogan und Anspruch fallen gelassen “Ihr Heimatsender” und zugleich das Musikprogramm auf über 90 Prozent englischsprachige Titel umgestellt. Angeblich möchte Frau Haferburg hiermit vorrangig Jüngere ansprechen und als ständige Hörer gewinnen. Nur, wer die Statistik kennt weiss, dass die größte Bevölkerungsgruppe in MeckPom die über 48jährigen sind - also Ältere! Die wiederkehrend öffentlich kritisierte und fortbestehende Situation veranlasst mich zur Feststellung, dass Frau Haferburg offensichtlich gegen jegliche Hinweise, Empfehlungen und Kritik resistent ist; sie reagiert nicht einmal. Ist sie tatsächlich so unabhängig, allein zu entscheiden? Wer kann ihr Einhalt gebieten? Wie positioniert sich hierzu der Landesrundfunkrat, die Landespolitik, die Kommunalpolitik, Parteien und Verbände? Denn, bisher haben sich kritisch ja nur einzelne Bürger und eine Bürgerinitiative öffentlich geäußert, ohne dass Offizielle dazu Stellung bezogen haben. Das zu befördern sollte über eine Reihe von Fragestellungen nachgedacht werden, wie: Glaubt Frau Haferburg, dass die von ihr privilegierte Hörergruppe der englischen Sprache insoweit mächtig ist, dass sie die Liedtexte überhaupt verstehen? Diese Fähigkeit könnte sie beispielhaft intern bei den Mitarbeitern ihres Senders prüfen. Interessant zu erfahren wäre, welchen Stellenplatz im Musikprogramm den älteren Hörern zugedacht ist. Geht Frau Haferburg davon aus, dass auch diese das Englische verstehen und akzeptieren? Abzulehnen ist die Praxis des Senders, dass deutsche Schlager offensichtlich Auftrittsverbot haben. Andrea Berg, Helene Fischer, Roland Kaiser, Andre Rieu und andere sehr erfolgreiche Interpreten dieses Genres - jeder für sich Hallen und Stadien füllend und eine riesige Anhängerschar haben - werden einfach ignoriert. Wenn deutsche Titel gebracht werden, sind es in stetiger Wiederholung Grönemeyer, Lindenberg, Nena und einige andere wenige Auserwählte. In einem mir vorliegenden Schreiben erklärt Frau Haferburg das einseitige Musikangebot mit Daten einer Mediaanalyse zum Hörverhalten der Landesbürger. Möge sie diese doch einmal offen legen. Zumindest in meinem Bekannten- und Umgangskreis kenne ich keinen, der die aktuelle Gemengelage im Musikangebot versteht und gutheißt. Berechtigt ist auch die Frage, ob Frau Haferburg einen englischsprachigen Sender (Großbritannien, USA, Kanada, Australien) kennt, der ad äquat deutsche Musik bringt? Letztlich könnte mir all das Banane sein, müsste ich diesen Sch….. des NDR auch noch ungewollt durch die Zwangsabgabe bezahlen. Folge dessen ist, dass der NDR unabhängig von der Programmgestaltung über ein festes Budget verfügt, das ihn von Hörerwünschen unabhängig macht; er entscheidet über sich selbst. Das praktizierte Selbstverständnis ist deshalb ignorant. Das heißt nicht, dass man an Hörern nicht interessiert ist – ganz im Gegenteil: Mittels Hörerbindung durch kostenfreie Events (Sommertour und andere gesponserte Veranstaltungen), Rate- und Gewinnspiele. Auch das bezahlt von den Gebühren aller Haushalte! Oben drauf gibt`s dann noch den sarkastischen Hinweis, dass der NDR ohne Werbeeinnahmen auskommt. Ja, nur wer auf dem hohen und sicheren Ross sitzt, kann sich über andere (private Sender) mokieren. Events und Ratespiele des NDR werden zudem von Unternehmen und Geldinstituten gesponsert. Letztere sollten Erträge zuallererst ihren Sparern zukommen lassen, anstatt die Kontogebühren zu erhöhen.

Summa ist jetzt die Zeit, dass sich der NDR (Intendant Herr Marmor in Hannover) und die politischen Landesebenen mit der geschilderten Situation befassen.

Landesbürger brauchen einen identitätsstiftenden regionalen Landessender mit dem Schwerpunkt deutsches Musikprogramm: Lied, Jazz, Schlager, Folk, Rock und Popp!

Das Ganze gut gemischt mit internationalen – auch englischen – Titeln.

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