Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Einmalige Einrichtung

02.12.2010, Dr. Michael Giersberg
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Leserbrief »Zoostadt Rostock«"
im Rostocker Blitz vom 28.11.2010

An lauen Sommertagen und vor allen Dingen am Wochenende ist der Zoo voll mit Menschen, welche sich Tiere anschauen, die für sie exotisch sind. Alle Tiere sind aus Nachzüchtungen aus verschiedenen zoologischen Gärten und vielfach im Tausch nach Rostock gelangt. Es gibt Gehege mit einer quasi natürlichen Umgebung und leider immer noch einige, die nicht auf dem neuesten Stand sind und den Anforderungen einer artgerechten Haltung nur bedingt zuzuordnen sind. Dies ist kein böser Wille des Zoos, sondern eine Weiterentwicklung in der Einstellung, wie man mit Tieren in Zoos umgeht. Die jetzige Affenanlage ist klein und nicht mehr auf dem neuesten Stand. Die Kinder fragen: »Vati, warum sitzen die Affen hinter Glas? Vati, warum müssen die Orangs in so einem kleinen Käfig sein?« Glas kann man begründen, weil es die Affen so wärmer haben und weil sie auch gelegentlich mit Kot werfen, doch der Orang sieht schon etwas traurig aus, wenn er dort so »rum hängt«. Dies ist zwar natürliches Verhalten, doch hinter Gittern sieht dies nicht so schön aus. Und nun macht sich der Zoo Gedanken, führt Klassiknächte durch, um Spenden zu sammeln, eine Aktion »Schaffen für die Affen« wird initiiert, Vorträge werden gehalten, auf Führungen werden die neuen Projekte erklärt, Fördermittel besorgt usw. Mit dem neuen »Darwineum«, in dem die Affen ein neues, artgerechtes Zuhause finden sollen, mit dem eine neue Attraktion ähnlich des Ozeaneums in Stralsund entstehen soll, in dem Schüler über die Entstehung des Lebens erfahren, bekommt der Zoo eine neue Einrichtung, welche auch wieder Touristen in die Stadt lockt und somit ganz Ros­tock was davon hat.

Und nun kommt ein Herr Wolff mit seiner martialischen Wortwahl: »... schwere Panzerketten, niedergewalzt, gigantische Baumfällaktion, mangelnde fachliche Kompetenz, brutale Verletzung, kostspielig überzogene Vorhaben, Zwangsverwalter, Schuldenberg, Betonflächen für Unbelehrbare ...«

Kaum zu glauben und völliger Blödsinn. Das Gelände zwischen Zoo und Westfriedhof war schon immer als Zooerweiterungsgebiet im städtischen Flächennutzungsplan ausgewiesen (siehe Internet). Jeder Baum der gefällt werden soll, ist extra untersucht, Bäume mit Nestern für Vögel oder Schlafhöhlen für Fledermäuse sind gekennzeichnet und bleiben stehen, die Fläche, worauf das Darwineum entstehen soll war früher ein Schießplatz und jahrelang baumfreie Lagerfläche des Zoos – und aufgrund der Umweltuntersuchungen wird das Darwineum noch versetzt, damit die Umweltbeeinflussung so gering wie möglich ist. Der Zoo, der sich einem besonderen Artenschutz verpflichtet fühlt, tut alles im Vorfeld, um den Bau des »Darwineums« so umweltfreundlich wie nur möglich zu gestalten. Dass im Laufe der Planung und Entwicklung solch eines Großprojektes sich die Kosten, auch wegen der aufwendigen Untersuchungen, nicht immer hundertprozentig kalkulieren lassen, ist wohl nachvollziehbar. Ros­tock wird eine neue Einrichtung des Zoos bekommen, die in Deutschland einmalig ist und darauf sollte man stolz sein.

Die allgemeine Parteienschelte, bei der Herr Wolff keine auslässt, ist primitiv und die Drohung mit einstweiligen Verfügungen zeugt von wenig Sachkenntnis. Er sollte in eine Partei gehen und seine Einstellung auf demokratische Art und Weise durchzusetzen versuchen, das zeugt von Charakter.

 

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