Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Eine Tatsache bleibt

03.08.2011, Donald Nimsch
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Hausärzte fallen unter Artenschutz"
im Schweriner Blitz vom 31.07.2011

„Hausärzte fallen unter Artenschutz“, 31. Juli

Der Vorsitzende des Sozialpolitischen Ausschusses beim SoVD-Landesverbandes M-V, Herr Dr. Helmhold Seidlein, erklärt: Am Wochenende ist unter der Überschrift »Hausärzte fallen unter Artenschutz« über die Situation der hausärztlichen Betreuung in unserem Bundesland berichtet worden. Abgesehen von vielen Ungereimtheiten und sachlich nicht begründeten Darstellungen, bleibt es dennoch eine Tatsache, dass der Zugang zu unserem Gesundheitssystem für viele Menschen schwierig ist. Die Landesregierung hat in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung und auch den im Land ansässigen Universitäten noch kein tatsächlich wirksames Konzept gegen die Arztflucht bzw. die Unattraktivität der Arbeit in den ländlichen Regionen von Mecklenburg Vorpommern entwickeln können. Der Sozialverband Deutschland erkennt selbstverständlich die bisherigen Bemühungen an. Im vergangen Jahr haben Gespräche sowohl bei der Sozialministerin als auch bei der Kassenärztlichen Vereinigung stattgefunden, in denen deutlich wurde, dass zum einen das Problem erkannt wurde, zum anderen auch konzeptionelle Überlegungen zur Beseitigung dieses Missstandes angestellt wurden. Die Ergebnisse aber sind ernüchternd. Die Bürger sind verunsichert. Sie haben Angst vor akuten gesundheitlichen Problemen. Der Druck auf Fachärzte nimmt zu, da der Hausarzt als Koordinator ausfällt. In den Facharztpraxen verlängern sich entsprechend die Wertenzeiten für alle, gesetzlich wie privatversicherte Erkrankte. Es werden zusätzliche hohe Kosten verursacht. Die fachärztlich empfohlenen Maßnahmen können dann in der Basisbetreuung nicht umgesetzt werden. Der Sozialverband Deutschland fordert, dass tatsächliche, auch kurzfristig greifende Maßnahmen durch die Landesregierung initiiert werden. Den Ärztemangel auf die Arbeitsbedingungen zu schieben, ist nicht zielführend. Die Arbeitsbedingungen in einem Flächenland sind so wie die Fläche sie hergibt. Es müssen endlich wieder in den Gemeinden Räume zur Verfügung gestellt werden, in denen auch außerhalb der Praxen Sprechstunden durchgeführt werden können. Es muss ein von Landkreis bereitzustellender Fahrdienst dafür sorgen, dass die Ärzte zu ihren Patientinnen und Patienten gelangen. Es müssen in den Gemeinden ausreichend Schwestern in den erwähnten Stützpunkten zur Verfügung stehen, die ausgerüstet mit moderner Kommunikationstechnik im ständigem Kontakt mit den Ärzten ihres Bereiches stehen. Zudem muss es auch möglich sein, zu tatsächlich attraktiven Konditionen Ärzte für eine zumindest stundenweise Tätigkeit zu gewinnen, die bereits in den Ruhestand eingetreten sind. Langfristig sind selbstverständlich für junge Ärzte solche sozialen Bedingungen zu schaffen, die es ihnen möglich machen, ihre Familie hier im Lande heimisch zu machen. Die besten Praxisbedingungen genügen nicht, wenn die Partner oder Partnerinnen keine geeigneten Arbeitsplätze finden, die Kinder keine zusagende Schule und wenn das gesamte Arbeitsumfeld nicht familientauglich d.h. familienfreundlich gestaltet ist. Unsere Mitglieder verstehen durchaus, dass Bedingungen wie es sie einmal gegeben hat mit Gemeindeschwesternstation, Gemeindeschwester, ausreichender ärztlicher Betreuung schwer zu erreichen sind, nachdem zugelassen wurde, dass durch eine völlige Überbetonung und auch Privilegierung des Facharztsektors, die Arbeit für die niedergelassenen, sogenannten Hausärzte unattraktiv geworden ist. Wenn nun aber das Problem endlich auch von der Politik erkannt wurde, dann erwarten die Betroffenen eine als Programm anzusprechendes Programm und nicht punktuelle Bemühungen zumeist noch durch unterschiedlich Verantwortliche. Die Sicherstellung der gesundheitlichen Betreuung muss als eine Hauptaufgabe der Landesregierung verstanden und auch umgesetzt werden. Die Verlagerung auf die Kassenärztliche Vereinigung allein kann das Problem nicht lösen. Die aktuelle Situation, die sich schon über Jahre abzeichnete, belegt dies. Und wir meinen, die Kassenärztliche Vereinigung wird dies durchaus nicht als eine Beschneidung der Selbstverwaltung, die gewollt und gut ist, verstehen, wenn die Landesregierung mit ihr gemeinsam Möglichkeiten erarbeitet, sie begleitet und vor allen Dingen durchsetzt, die die medizinische Betreuung der Bevölkerung unseres Landes verbessert und durch mehr Hausärzte letztendlich auch hilft, dass die Kassenärztliche Vereinigung ihre Aufgaben, u.a. die Sicherstellung der ärztlichen Bereitschaftsdienste allumfassend wahrnehmen kann. Wir wollen von der Landesregierung nicht mehr gebetsmühlenartig hören, wie schwierig die Situation sei. Wir wollen wahrnehmen, dass an der kurzfristigen und auch langfristigen Besserung gearbeitet wird.

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