Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Eine Lachnummer?

25.10.2013, Kurt Feustel

Stralsunder Zeitungen berichteten Anfang des Monats über ein Ereignis, das merkwürdigerweise auf die Zeit nach der Bundestagswahl gelegt wurde: Der Bürger Lastovka, vormals ein OB der Stadt, wurde durch Herrn Hennig, vormals ein Bürger der Stadt, porträtiert. Weshalb auch nicht. Das Portrait ist jedoch für die Bürgermeister- Galerie der Stadt gedacht. Das ist ernst gemeint. Die Inszenierung des Gemäldes, die etwas logenhaft wirkt, von seiner Entstehung bis zur Präsentation im örtlich und personell auserwählten Rahmen, mit einer künstlerischen Würdigung durch die Ehefrau von Herrn Lastovka und der Freigabe des Ganzen durch ein Grußwort der Kanzlerin, schuf Fakten. Ohne Beschluss der Bürgerschaft. Alle Beteiligten sind dabei mit der CDU verbandelt. Sogar die Kanzlerin. Und vergesslich. Der große B.B. fragt zu solchem Eifer: Wer baute das siebentorige Theben? Vergessen auch, dass die Unentwegten ihren vormaligen Frontmann schon mal verteufelten, da er ihnen nach ihrer eigenen Einschätzung seiner Eskapaden wegen zu einer Kommunalwahl 6 bis 8 Prozent Stimmenverluste locker einfuhr? Zur Erinnerung: Herr Lastovka hatte sich als vormaliger OB wegen versuchten Prozessbetrugs zu verantworten. Das Landgericht stellte das Verfahren jedoch aus gutachterlich bestätigten gesundheitlichen Gründen vorläufig ein. Die Fortsetzung des Verfahrens sei jedoch jederzeit möglich, hieß es, wenn sich die gesundheitliche Situation ändere. Die ändert sich jedoch offensichtlich nicht. Die Große Strafkammer des Landgerichtes Stralsund hat wohl deshalb das Verfahren am 21.8.12 endgültig eingestellt. Herr Lastovka war jedoch in der Lage, sein Bildnis

im verlesenen Kreis kleinöffentlich zu bewundern. Verantworten musste sich jedoch der Anwalt des OB, Herr Hans-Jörg Schüler. Ihm wurde zusätzlich vorgeworfen, seiner Kanzlei, die zum Tatzeitpunkt zusammen mit der Ehefrau des OB betrieben wurde, in diesem ganzen Rahmen noch ein lukratives Prozessmandat verschafft zu haben. Herr Schüler wurde am 25.4.12 vom Stralsunder Landgericht verurteilt. Das Urteil wurde dann gemäß Meldung vom 20.5.13 vom Bundesgerichtshof aufgehoben und zur erneuten Verhandlung an das Landgericht Rostock verwiesen. Dort ist es offenbar noch anhängig. Bei diesem üblen Hintergrund das Portrait in die Ahnengalerie? Zudem: Ist es nicht Sache der Bürgerschaft, zu bestimmen, ob ein Portrait in diese Galerie aufgenommen wird? Bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft entscheidet sie doch auch. Bei der Aufnahme in die Galerie nicht? Obwohl diese Aufnahme einer Ehrenbürgerschaft mindestens gleich kommt? Wacht denn hier niemand auf! Diese Entscheidung sollte durch die Bürgerschaft nachgeholt werden und zumindest nachträglich zur Ablehnung führen. Andernfalls droht der Stadt eine irreparable Lachnummer.

 

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