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Ein widersprüchlicher E.M.Arndt

06.06.2018, Wolfgang Mengel, Stralsund

Ein widersprüchlicher E.M. Arndt

Die Seniorenakademie 55 Plus Stralsund lud zu ihrem jüngsten Vortrag die Kunsthistorikerin und Literaturwissenschaftlerin Katharina Venz-Weiße ein, die seit 2015 das E-M-Arndt-Museum in der ältesten Stadt Rügens, Garz, leitet. Auch das Museum kann sich dieser Eigenschaft rühmen, wurde es doch 1937 eröffnet. Sein Vorläufer war die seit 1929 existierende Heimatstube auf dem Dachboden der alten Garzer Stadtschule.

Arndt lebte von 1769 (Groß Schoritz) bis 1860. Sein Leben gliedert sich in etwa drei Bereiche: Bis 1811 hielt er sich (mit Unterbrechungen) auf Rügen, in Stralsund und Greifswald auf. Bis 1817 musste er aus Fluchtgründen (er rief zum Kampf gegen Napoleon auf) Deutschland verlassen, ging nach Schweden und begleitete den Freiherrn von und zum Stein nach Russland. Von 1817 bis zu seinem Tod lebte er in Bonn, wo sich auf dem Alten Friedhof auch sein Grab befindet.

Der seit 2009 existierende und erst 2018 beendete Streit um die Streichung seines Namens aus der Namensbezeichnung der Universität Greifswald hat die Diskussion um seine Einstellungen und Wertungen seines umfangreichen Werkes zunächst vor allem in der Judenfrage sehr angefacht. Die Meinungen dazu sind nach wie vor sehr unterschiedlich. Die Referentin konzentrierte sich auf seine Erkenntnisse in Bildung und Erziehung, die Arndt in seinem dreibändigen Werk „Fragmente über Menschenbildung“ (1805-1809) niederlegte. Auch hier ergeben sich aus unserer heutigen Sicht Diskussionen, denn im 3. Band über die weibliche Erziehung zeichnete der Verfasser ein antiemanzipatorisches Frauenbild. Die Beschäftigung mit seinem umfangreichen Werk führt zu vielseitigem Meinungsstreit, was sich auch am Ende des Vortrages andeutete. Es ist K. Venz-Weiße zu danken, dass sie mit ihrem hochinteressanten Vortrag die Vielfältigkeit, aber eben auch die Widersprüchlichkeit im Schaffen Arndts aufgedeckt hat. 83 Teilnehmer spendeten herzliche Beifall und regten zu einem weiteren Besuch der Museumsleiterin an, um die Neugier der Hörer zu befriedigen. Zum Schluss soll Arndt aus seinen „Fragmenten“ (1805) zitiert werden, weil auch dieser Gedanke sehr aktuell ist: „Der Mensch ist, wie die Welt um ihn, und die Welt wird, wie der Mensch auf ihr.“

Wolfgang Mengel, Seniorenakademie 55 Plus Stralsund

 

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