Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Ein herzoglicher Coup

01.04.2011, Hans Brandt, Bazkow

Die SPD-CDU-Regierung hat mit der Herzogin von Mecklenburg einen Deal gemacht, aber Frau Donata hat dabei einen Coup gelandet. Sie hat ihre 260 Gemälde, Möbel u.a. Kunstwerke für viele Millionen an den Käufer gebracht. Nach 1945 war die Sammlung in Volkseigentum überführt worden und befindet sich seitdem im Bestand des Schweriner Museums. Nach der glücklichen Wende 1989 erhielten Großherzogs alles zurück, sollten es allerdings zumindest bis 2014 an Ort und Stelle belassen. Warum also diese Eile? Auf dem internationalen Kunstmarkt steigen die Preise und Frau Herzogin wollen nichts anderes als die edle Kunst verscheuern. Doch unsere Landeskasse ist ziemlich leer. Wenn also Frau Herzogin mit dem großen Löffel reinlangt und sich millionenfach bedient, müssen Städte und Gemeinden, Hartz 4-Empfänger u.a. den Gürtel noch enger schnallen. – Warum die Zeit bis 2014 nicht im Landesinteresse nutzen? Kulturminister Henry Tesch (CDU) hatte noch am 25. März getönt: »Es wird keine Entscheidung in 2011 mehr geben«.

Und SPD-Ministerpräsident Sellering als Einknicker mimte einen »harten Verhandlungspartner«, denn den Witziner Wald, den Frau Donata von Mecklenburg in Zahlung nehmen wollte, hat er ihr ganz tapfer verweigert, sie bekomme »nur« Bares. Aber da hatte die Linksfraktion bereits ihr Veto gegen den Waldverkauf eingelegt, mehr leider auch nicht. Die Linke hätte gewiss eine Gegenrechnung aufmachen müssen für all die Sünden, die das Herrscherhaus einst an den Leuten »ohne Hüsung« begangen hatte.

Aber jenseits historischer Reminiszenzen sei noch angemerkt, dass der Berliner Kunstsammler Christoph Müller seine rund 150 wertvollen niederländischen Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts dem Staatlichen Museum Schwerin schenken (!!!) wird. Frau Herzogin wie Herr Ministerpräsident müssen das bei den Verhandlungen im Kopf gehabt und hartnäckig verdrängt haben! Sie erweist sich eben allein als knallharte Unternehmerin mit romantischem Titel, und das ist wohl sehr verführerisch. Sie wird aber auch beim unverdient hohen Gewinn am Schluss noch etwas nachgeben, die Gute. Was können wir froh sein! Verwundert auch, nämlich darüber, wie segensreich die deutsche Einheit war.

 

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