Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Ein Besuch in der Max-Dreyer-Stube

29.09.2011, J. Lange

Rostocker, die Ihr an Heimatgeschichte interessiert seid, kennt Ihr die Max-Dreyer-Stube am Doberaner Platz? Ich kann einen Besuch nur wärmstens empfehlen. Pastor em. W. Passig hat sie in seinem Haus eingerichtet. Bücher und Fotos von Rostocker Persönlichkeiten und Insitutionen werden gezeigt und Herr Passig referiert in Abständen nach umsichtiger und gründlicher Vorbereitung über Erinnerungswertes aus Rostock. In der letzten Veranstaltung ging es um Konrad Eilers (1871 bis 1961), einem zu seiner Zeit bekannten Schriftsteller, der als Autor von Büchern über Jagd- und Jagdwaffen national und international hohes Ansehen hatte, so dass sich sogar DDR-Größen genötigt sahen, den »bürgerlichen« Verfasser öffentlich zu würdigen.

Was Eilers aber auch über sein Hauptthema hinaus interessant macht, sind Bücher und Gedich­te, die einen Mann zeigen, der nachdenklich und genau die kleine und die große Welt beobachtet und die Gabe hat, das in Prosa und Lyrik zu gestalten. Herr Passig hatte Texte ausgewählt und las sie vor, die dies eindrucksvoll bestätigen. Und es sind nicht nur anrührende Gedichte über die Liebe zu seiner Frau, mit der er bis zu beider Ende in ihrem neunzigsten Lebensjahr verbunden war. Ein Aufsatz über den zerstörerischen Umgang mit den Wäldern der Erde in Geschichte und Gegenwart erscheint höchst aktuell. Fast könnte man einen Greenpeaceanhänger als Autor vermuten. Auch ein humoristisches Gedicht über Mümmelmannn, den Hasen, Aphorismen und Betrachtungen über Aktuelles zu Eiler’s Zeit fanden aufmerksame und interessierte Zuhörer. Eilers schrieb für die Mecklenburgsichen Monatshefte und später viel für den »Demokraten«, die Zeitung der Ost-CDU im Norden. Ältere Rostocker werden sich erinnern. Vieles, was der überaus produktive Schreiber zu Papier gebracht hat – auch vieles Unveröffentlichte – wäre bestimmt wert, für heutige Leser nachgedruckt zu werden. Kulturredakteure der Lokalblätter, ich empfehle euch einmal in der Max-Dreyer-Stube Material für stadtgeschichtlich Interessantes zu holen und darüber zu schreiben. Herr Passig hat es sich zur Aufgabe gemacht, bedeutende Rostocker dem Vergessen zu entreißen. Dafür gebührt ihm Dank und Anerkennung.

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