Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Ein beeindruckender Besuch

06.06.2016, Klaus Röber, 18069 Rostock

Ohne Zweifel kann ein Besuch beim kommunalen Traditionsunternehmen Rostocker Straßenbahn AG zu den Attraktionen unserer Stadt zählen. Naturgemäß stehen in einer Besuchergruppe von Senioren die Bedürfnisse älterer Fahrgäste im Vordergrund: Barrierefreiheit, Wartezeiten (Taktfrequenz), Haltestellen-Wünsche, Anschlussmöglichkeiten, Sicherheit und nicht zuletzt die Preisgestaltung. Im Besuchsverlauf erhalten wir einen Einblick in das komplexe Zusammenwirken der Unternehmensbereiche zur Gewährleistung des planmäßigen und zuverlässigen Nahverkehrs durch Bahnen und Busse. Bei der Vorstellung des neu eingeführten Verkehrskonzeptes "Mobil 2016" wird deutlich, wie das Unternehmen auf den veränderten Bedarf an Beförderungsleistungen reagiert und dabei die Bedürfnisse aller Fahrgast-Gruppen berücksichtigt, ob im Schüler- oder Berufsverkehr, ob Rad- oder Rollstuhl-Fahrer, ob Studenten- oder Kinderwagen-Transport... Wir sehen, wie den Entscheidungen zur Umgestaltung der Fahrpläne jeweils genaue Bedarfsanalysen zugrunde liegen, in denen die auf die Tagesstunden, wie auf die einzelnen Haltestellen bezogene Auslastung ermittelt wurde. Eine höhere Beförderungsleistung mit dem bestehenden Personalbestand und den vorhandenen Fahrzeugen zu erreichen, dafür war und ist entscheidend die Qualifikation und Einsatzbereitschaft wie auch die gegenseitige Ersetzbarkeit der Betriebsangehörigen. Uns werden die hohen Anforderungen an das Fahrpersonal bewusst. Der abschließende Werkstattbesuch vermittelt uns interessante technische Details der kürzlich beschafften modernen Straßenbahn-Züge und einen Begriff vom Umfang der technischen Sicherstellung und Planung. Wir verabschieden uns in dem Wissen, dass wir Rostocker mit der RSAG ein sehr leistungsfähiges Verkehrsunternehmen besitzen, das sich im Städte-Vergleich sehen lassen kann und um das uns viele auswärtige Gäste beneiden. Wir danken dem Kundenmanager Herrn Reitz für seine Führung, seine Sachkunde und Transparenz bei allen Fragen.

Nach dem Besuch muss ich an den Umstand denken, dass die Kosten der RSAG zu 52 % vom Beförderungsentgelt gedeckt werden. Beachtenswert finde ich, dass die Einführung des neuen Verkehrskonzepts ohne Erhöhung der Fahrpreise erfolgte. Immerhin kann ich unter Verwendung eines Einzelfahrscheins für 2 Euro jede Haltestelle innerhalb der Tarifzone Rostock direkt erreichen (ohne Ring- und Rückfahrt), indem ich jeweils den nächstmöglichen Anschluss nutze, gleich ob mit Straßenbahn, Bus, S-Bahn oder Fähre. So ist z.B. eine Fahrt von der Südstadt nach Markgrafenheide mit dem ÖPNV um ein Vielfaches günstiger als im motorisierten Individual-Verkehr. Dennoch bleibt der Fahrpreis für manchen Rostocker hoch oder gar zu hoch. Durch die Preisgestaltung können mehr Fahrgäste gewonnen, der ÖPNV so gestärkt und damit der Klimaschutz begünstigt werden. Meine Steuern finde ich in einem Unternehmen, wie der RSAG, gut eingesetzt. Für eine höhere Subventionierung der Fahrpreise und des weiteren Ausbaus der Beförderungsleistungen bedarf es neben dem politischen Willen allerdings auch der notwendigen politischen Stärke und vieler Verbündeter.

Klaus Röber, Arbeitsgemeinschaft Seniorenpolitik Rostock der Partei Die Linke

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