Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Ein bedeutungsvolles Wort

13.07.2012, Irmengard Verch

Manchmal ist mir die »Rangelei« der Politiker um das sogenannte Betreuungsgeld zu viel. Wenn ich als Bürger ein Mitspracherecht hätte, würde ich das gesamte Geld in die Erziehungs- und Bildungseinrichtungen unserer Kinder investieren, in die Aus- und Weiterbildung von Krippenschwestern, Kindergärtnerinnen, Erziehern und Lehrern. Es ist allerhöchste Zeit, etwas dafür zu tun, wenn wir den Status der »gebildeten Nation« behalten wollen. Es gab zu DDR-Zeiten ein Wort, über dessen tiefen Sinn wir vielleicht erst heute nachdenken, es ist das Wort »Volksbildung«.

Allen Kindern war ohne Ausnahme bis zur 10. Klasse Bildung und Erziehung garantiert und zwar mit entsprechendem Abschluss und dem dazugehörigen Zeugnis als Beweis. Niemals hat es eine Situation wie heute gegeben, nach der jährlich 10.000 und mehr Kinder die Schulen ohne Abschluss verlassen (dürfen). Es gehörte zu den (manchmal auch sehr schwierigen) Aufgaben der Lehrer, jedes Kind zum Ziel zu führen – ohne »bezahlten« Schulbesuch! Es durfte einfach niemand »durchfallen«, weil die Lehrplanziele so aufgebaut waren, dass jedes gesunde Kind sie mit unterschiedlicher Benotung seines Wissens und Könnens erreichen konnte. So der Volksbildungsgedanke.

Einen breiten Platz nahm die Erwachsenenbildung und die Weiterbildung, ohne finanzielle Ängste ein. Mit dieser Volksbildungspolitik wurden viele Facharbeiter, Ingenieure und Hochschulabsolventen herangebildet, unter denen auch unserer Frauen eine bedeutende Rolle gespielt haben.

Heute fehlen uns überall diese Arbeitskräfte, und es ist in mehr als 20 Jahren Bundesrepublik nicht gelungen, diesen Mangel aus eigener Kraft zu überwinden. Man verzeihe nur deshalb meine »nostalgischen« Gedanken. »Volks«bildung ist heute ein Fremdwort. »Volks«banken – Muttersprache.

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