Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Dummschwätzer brauchen wir nicht!

24.10.2014, Hartwig Niemann, Rostock

Jetzt haben wir den „Goldenen Westen“ schon 25 Jahre – und nun? 
Wo waren jene der 3. Garnitur, die nach der Wende die Seite gewechselt haben in den 40 Jahren als wir in unserer Heimat DDR, die uns nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Kriegskinder frei Haus von den Alliierten serviert wurde? Richtig! Im „Goldenen Westen“. Meine Grundidee in der DDR zu verbleiben und nicht in das gelobte Land der „Freiheit und Demokratie“ abzudriften wurde von zwei grundsätzlichen Ideen getragen „Nie wieder Krieg! Nie wieder dürfen jüdische Kinder in einem faschistischen Konzentrationslager zu Tode gequält werden.“ Diese Idee wurde in allen Punkte in den 40 Jahren DDR eingehalten. Hinzu kam noch meine Bodenständigkeit als geborener Mecklenburger ohne Verwandtschaft im „Goldenen Westen“. Eindeutig und klar aussagefähig formuliert, das war mein Vorteil gegenüber anderen.


Abgesoffen und politisch kaputt gegangen ist die DDR, weil unsere Politbürokratie nicht mehr in der Lage war, die beidseitige Entwicklung zwischen Sozialismus und Kapitalismus in der Welt real einzuschätzen. Dadurch sind die alten Herren im eigenen Dogma gegen die Wand gelaufen. Durch ihr Verhalten haben sie viele mit in den Abgrund gerissen, die nicht unbedingt in den „Goldenen Westen“ übersiedeln wollten, sondern 40 Jahre lang Vertrauen zum Staatsgefüge DDR hatten: hervorragende Wissenschaftler, hoch qualifizierte Facharbeiter, erfahrene Piloten, Ärzte, Krankenschwestern, Offiziere, Kapitäne und Seeleute der Handelsmarine, eine erfolgreiche Fischereiflotte u.v.m.
Auf einmal war Schluss mit lustig, während sich der doch nicht so „Goldene Westen“ erholen konnte, weil tausende Automobile, die teilweise in den Bereich Schrott einzuordnen waren, auf einen neuen Absatzmarkt teuer verkauft werden konnten.

Dummschwätzer der 3, Garnitur aus dem „Goldenen Westen“ überzogen von nun an das ehemalige Territorium der DDR um ihr Scherflein ins Trockene zu bringen. Sie sind schuldig am Nichtzustandekommen einer neuen Verfassung nach der Wende. Artikel 146 des Grundgesetzes ist immer noch keine reale Wirklichkeit geworden. Warum nicht?

Viele DDR Bürger merkten plötzlich, das der „Goldene Westen“ doch nicht so goldig war, wie er immer im Westfernsehen und in der Bildzeitung visuell geschönt sichtbar gemacht worden war. Einige wurden erst richtig wach, als sie arbeitslos wurden.
Was die Erhaltung des Friedens betrifft waren wir in der DDR auf dem richtigen Weg. Auch die Sozialpolitik in der DDR entsprach den Interessen der Mehrheit der in diesem Staat lebenden Menschen und wäre nach der Wende in den „Goldenen Westen“ übertragbar gewesen (Polikliniken, um nur ein Bespiel zu benennen).

Aber es gab keinerlei Bemühungen die Grundidee der Väter des Grundgesetzes laut Artikel 146 mit Leben zu erfüllen. Warum auch, der „Goldene Westen“ wäre bei einer Volksabstimmung ins schleudern gekommen und zwar im gleichen Maße wie bei einer Abstimmung zur Einführung des Euros oder des Lissabon Vertrages.


Verkorkst wurde die Politik der DDR durch das Nichterkennen der auch 40 Jahre nach dem Krieg immer noch bestehenden Lebensverhältnisse zwischen Verwandten und Bekannten in Ost und West. Das war mehr als tragisch. Jeden Ausreisewilligen damals unter die Lupe zu nehmen und mit Sanktionen zu bedrängen, wenn er von seinem Vorhaben keinen Abstand nehmen würde, wurde zum Fiasko. Davon war insbesondere das Zusammenleben in Berlin Ost und Berlin West geprägt. Dieses Nichterkennen wurde überdeckt durch die Feuer – und Wasserpolitik des 1. Mannes im Staate DDR Erich Honecker.

Dadurch wurde alles, was wir bis dato erreicht hatten in den Bereich der Unglaubwürdigkeit gedrängt. Hohn, Demütigungen und Spott wurden so unberechtigter Weise zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen zwischen dem „Goldenen Westen“ und der angeblich „mageren“ DDR. Dieses dogmatische Verhalten mit dem Spruch der Partei verbunden „Die Partei hat immer Recht“ wurde zur Floskel. Wer immer Recht haben will macht angeblich keine Fehler. Die Polithierarchie konnte einfache Formen des Nichtverstehens der Wünsche der Menschen in der DDR nicht mehr in Übereinstimmung bringen mit dem eigenen Verhalten (kostenlos Tanken und selber West-Auto fahren, während wir als DDR Bürger jahrelang in der Warteschlange festgenagelt waren, es sei denn es wurde nach dem Motto gehandelt eine Hand wäscht die andere)

Leider haben diese alten Politherren alles verspielt und uns siegreich in den Kapitalismus geführt. Manch einer von uns, der ihnen 40 Jahre Vertrauen entgegen gebracht hat, muss jetzt noch ums Überleben kämpfen.
 Dummschwätzer aber, die nach der Wende in die DDR umgesiedelt sind, keine einzige Stunde in der DDR gelebt und gearbeitet haben und dennoch bis zum heutigen Tag alles besser wissen wollen, sollten in ihrem Auftreten etwas zurückhaltender sein und den ehemaligen DDR Bürgern, die hier geblieben sind etwas mehr Respekt entgegenbringen. Man kann nicht nur auf der Siegerseite stehen. Auch der Verlierer hat das Recht nach einem verlorenen Kampf mit Respekt behandelt zu werden.

Hartwig Niemann

Dipl. Ing. oec.

Hier können Sie Ihre Leserbriefe online aufgeben

Bitte beachten Sie, dass wir uns das Recht vorbehalten, im Falle des Abdruckens in der Zeitung, Textpassagen zu kürzen oder nachträglich zu ändern.